TTIP: Grüne untermauern Kritik mit Umfrage unter Bauernschaft

19. Jänner 2016, 12:06
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Agrarsprecher Pirklhuber fordert Verhandlungsstopp – Von Grünen beauftragt, Landwirte vertrauen in TTIP-Fragen ÖVP am meisten

Wien/Brüssel – Die Grünen stehen dem geplanten EU-USA-Freihandelsabkommen TTIP besonders kritisch gegenüber. Bezogen auf die Landwirtschaft fordert deren Agrarsprecher Wolfgang Pirklhuber den Stopp der Verhandlungen zwischen Brüssel und Washington. Diese Forderung untermauert die Oppositionspartei mit einer von ihr beauftragten Umfrage unter 500 Bauern, die ein TTIP-kritisches Ergebnis brachte.

20 Prozent glauben, die Auswirkungen von TTIP nicht einschätzen zu können. 80 Prozent beziehen Position. So ergibt sich, dass 65 Prozent negative Auswirkungen durch TTIP kommen sehen. 14 Prozent glauben dass es keine oder kaum Auswirkungen auf ihren Betrieb geben wird. Ein Prozent glaubt an positive Auswirkungen durch das Abkommen, das in Verhandlung steht.

Bauern vertrauen ÖVP

Interessantes Ergebnis der von den Grünen beauftragten Studie – die auch die Positionierung der politischen Parteien hinterfragt und ob diese jeweils "richtig" ist – ist auch, dass das meiste Vertrauen der Bauern bezogen auf TTIP der ÖVP entgegengebracht wird, die ja eher pro Abkommen ist. 39 Prozent der befragten Bauern sehen sich bei der ÖVP am besten aufgehoben, 29 Prozent bei den Grünen, 16 Prozent bei der FPÖ, 8 Prozent bei der SPÖ und 7 Prozent bei NEOS. Sieht man die Mehrheit der TTIP-kritischen Bauern an, so schließen die Grünen fast zur ÖVP auf – hier steht es beim Vertrauen 35 zu 33 Prozent für die Schwarzen gegenüber den Grünen.

Bei den negativen Beurteilungen gibt es aber nicht konkrete Beschreibungen, es handelt sich allgemein um "negative Gefühle", heißt es in den Unterlagen der Befragung, die KeyQuest Marktforschung im November des Vorjahres durchgeführt hat.

Informationsstand "nicht zufriedenstellend"

Pirklhuber jedenfalls sieht auf Basis der Umfrage "Rückenwind für die parlamentarische Arbeit" der Grünen. "Die heimische Landwirtschaft hat offenkundig ein gutes Gespür dafür, was die Folgen einer direkten Konkurrenz mit der US-amerikanischen industriellen Landwirtschaft wären – ein ruinöser Preiskampf auf Kosten von Gesundheits- und Qualitätsstandards", so der Abgeordnete in Unterlagen zu einer Pressekonferenz am Dienstag.

Erfragt wurde im Rahmen der Umfrag die Kenntnis der Landwirte von TTIP, deren Einschätzung der Auswirkungen des etwaigen Abkommens auf ihren eigenen Betrieb und auch die Position der politischen Parteien zu TTIP aus Sicht der Bauern. Die Schwankungsbreite beträgt 4,5 Prozent. Der Fragebogen wurde gemeinsam mit den Grünen entwickelt.

Knapp mehr als vier Fünftel der Bauern haben von TTIP schon etwas gehört. Je "professioneller" der Betrieb – Größe, Haupterwerb, Wachstumsorientierung – oder "biologischer", desto bekannter ist das geplante Abkommen der Umfrage zufolge. Pirklhuber sieht daher den Informationsstand der Bauernschaft über TTIP als "nicht zufriedenstellend" an. Die TTIP-Sorge in der Bio-Landwirtschaft ist laut der Umfrage mit 73 Prozent übrigens signifikant höher als in der konventionellen. (APA, 19.1.2016)

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