Gefangenendeal zwischen USA und Iran beinahe gescheitert

19. Jänner 2016, 17:23
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Iranische Behörden hielten Ehefrau und Mutter eines freigelassenen Journalisten fest

Der Gefangenenaustausch zwischen dem Iran und den USA wäre am Sonntag in letzter Minute beinahe gescheitert. Während der Verhandlungen wurden die Ehefrau und die Mutter eines der Inhaftierten stundenlang ohne Zugang zu einem Telefon in einem Raum auf dem Teheraner Flughafen festgehalten.

Jason Rezaian, ein iranisch-US-amerikanischer Journalist und Korrespondent der "Washington Post", sollte gemeinsam mit drei weiteren Gefangenen gegen sieben in den USA inhaftierte Iraner ausgetauscht werden. Rezaian war mehr als 18 Monate in Teherans berüchtigtem Evin-Gefängnis inhaftiert. Der Zwischenfall ließ beinahe die Vereinbarung zwischen Washington und Teheran platzen, nachdem diese nach 14-monatigen Geheimverhandlungen bereits öffentlich verkündet worden war. Den Familienmitgliedern Rezaians wurde später doch noch die Ausreise erlaubt.

Kerry und Zarif eingeschaltet

Während drei der Freigelassenen in einem Schweizer Flugzeug ausgeflogen werden sollten, war Rezaians Frau Yeganeh Salehi ebenso unauffindbar wie seine Mutter Mary Rezaian. Salehi war 2014 zusammen mit Rezaian verhaftet, aber später wieder freigelassen worden.

Iranische Verhandler drängten darauf, die Freigelassenen abfliegen zu lassen, doch US-Verhandlungsleiter Brett McGurk bestand in Genf darauf, dass Rezaians Familie Teil des Deals sei. Aus diesem Grund wurde US-Außenminister John Kerry kontaktiert, der sich aus Anlass des Sanktionsendes gegen den Iran ebenso wie sein iranischer Kollege Mohammad Javad Zarif noch in Wien befand. Kerry wollte gerade vor die Presse treten, als er von seinen Mitarbeitern über die Problematik informiert wurde. Kerry telefonierte daraufhin mit Zarif und nahm ihm das Versprechen ab, sich einzuschalten.

Damit war die Angelegenheit jedoch noch nicht bereinigt. Iranische Vertreter verlangten um 2 Uhr morgens von McGurk, dass der Deal ohne die beiden Frauen stattfinden müsse. Dieser antwortete, dass es keinen Deal gebe, wenn die beiden nicht sofort beim wartenden Flugzeug auftauchen würden. Erst um 6 Uhr früh konnten die Freigelassenen mit den beiden Frauen das Flugzeug besteigen. Nach einer Verzögerung von mehr als zwölf Stunden auf dem Rollfeld des Flughafens konnte die Schweizer Maschine schließlich Teheran verlassen. (Michael Vosatka, 19.1.2016)

  • Jason Rezaian (links) mit seiner Frau Yeganeh Salehi, seiner Mutter Mary Rezaian und seinem Bruder Ali Rezaian.
    foto: apa/afp/

    Jason Rezaian (links) mit seiner Frau Yeganeh Salehi, seiner Mutter Mary Rezaian und seinem Bruder Ali Rezaian.

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