Stephen Hawking für Kolonisierung des Weltalls

19. Jänner 2016, 11:35
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Die Menschheit könne dem Untergang nur durch Ausbreitung entgehen

London – Stephen Hawking zeigt sich einmal mehr von der apokalyptischen Seite: Im Rahmen der heurigen BBC Reith Lectures, einer Serie von Radiolesungen, warnt der 74-jährige Starphysiker seine Mitmenschen vor einem möglichen selbstverursachten Untergang.

Ein Atomkrieg, katastrophale Folgen der Erderwärmung, durch Gentechnik erzeugte Viren, die Pandemien auslösen könnten, und andere Entwicklungen in Wissenschaft und Technologie mit unabsehbaren Folgen: All das gehört zu den existenziellen Gefahren, sagt Hawking in den Lectures, deren erster Teil am 26. Jänner ausgestrahlt wird. Die BBC veröffentlichte bereits einige Zitate.

Der goldene Pfad

Das Risiko einer Katastrophe auf der Erde in einem bestimmten Jahr sei zwar gering, aber für die nächsten 1.000 oder 10.000 Jahre "beinahe Gewissheit", so Hawking. Doch gäbe es – buchstäblich – einen Ausweg: "Bis dahin sollten wir uns ins All ausgebreitet haben und zu anderen Sternen, sodass ein Desaster auf der Erde nicht das Ende der Menschheit bedeuten würde."

Hawkings Mahnung steht damit auch im Kontext des Fermi-Paradoxons, also der Frage, warum wir bislang keine Beweise für intelligentes außerirdisches Leben gefunden haben, und der "Great Filter"-Hypothese als möglicher Erklärung dafür. Es wurden bereits mehrere solcher "Filter" postuliert, die das Aufkommen und Überdauern intelligenten Lebens verhindern. Ein paar davon – etwa die Unwahrscheinlichkeit, dass sich überhaupt Leben auf einem Planeten entwickelt – hätten wir bereits hinter uns.

Auf der vorletzten Etappe

Andere Hürden könnten noch zwischen der Phase, in der wir uns jetzt befinden, und der laut Hawking rettenden Kolonisierung des Alls liegen. Seine Conclusio: Die Ausbreitung ins All als Selbstschutzmaßnahme der Menschheit ist in greifbare Nähe gerückt. Da man in den kommenden 100 Jahren aber noch nicht so weit sein werde, müssten die Erdbewohner in dieser Zeit "sehr vorsichtig" sein.

Ironie am Rande: Hawking hatte früher schon vor allzu eifrigen Kontaktversuchen zu hypothetischen außerirdischen Zivilisationen gewarnt – man wisse ja nicht, wer da auf uns aufmerksam werden könnte. Genau das, zu dem sich seiner Meinung nach die Menschheit entwickeln soll, könnte also ein weiterer Filter sein. (red, APA 19. 1. 2016)

  • Stephen Hawking rät: Breitet euch ins All aus – und seid vorsichtig bis dahin.
    foto: apa/epa/facundo arrizabalaga

    Stephen Hawking rät: Breitet euch ins All aus – und seid vorsichtig bis dahin.

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