Mehr Kindersicherheit: Gut vernetzt mit dem Schutzengel

19. Jänner 2016, 12:42
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Fast jeder zweite Schulwegunfall ereignet sich zwischen 7 und 8 Uhr. Eine App soll Autofahrer akustisch vor Gefahren warnen

Linz – Fußgänger leben als schwächste Verkehrsteilnehmer trotz rückläufiger Unfalltendenz gefährlich: 4.129 wurden allein im Vorjahr in Österreich verletzt. Davon waren 490 Kinder, die laut Statistik Austria auf dem Schulweg in einen Unfall verwickelt waren. Was die Uhrzeit betrifft, so verteilten sich die Unfälle zu annähernd gleichen Teilen auf die Zeit vor sowie nach dem Unterricht – allerdings mit einer Spitze zwischen 7 und 8 Uhr. Fast jeder zweite Schulwegunfall (46 Prozent) ereignete sich in diesem Zeitraum.

Schulwarnung

Vor diesem besorgniserregenden Hintergrund hat die Linzer Softwareschmiede Catalysts gemeinsam mit dem Wiener Unternehmen Schutzengel eine App entwickelt, die künftig für deutlich mehr Sicherheit sorgen soll. Einmal abonniert und auf das Handy geladen – die monatlichen Kosten belaufen sich auf 99 Cent –, wird der Autofahrer rechtzeitig über mögliche Gefahrenquellen gewarnt. "Etwa ob sich in unmittelbarer Nähe eine Schule befindet oder ein Kindergarten, ein Altersheim oder etwa auch ein unbeschrankter Bahnübergang. Der Lenker erhält eine Audiowarnung, um nicht für eine zusätzliche Ablenkung zu sorgen", sagt Catalysts-Geschäftsführer Christoph Steindl im STANDARD-Gespräch.

Vor allem aber besteht erstmals in Österreich künftig die Möglichkeit, etwa Kinder mit einem speziellen Chip auszustatten, der dann Autofahrer via App warnt. Steindl: "Der Chip kann an der Schultasche befestigt werden. Befindet sich etwa eine Gruppe von mehreren Kindern – statistisch steigt da die Unfallgefahr – in Straßennähe, sendet der Chip via App an den Autolenker ein Akustiksignal." Übermittelt werde lediglich das Signal, keine persönlichen Daten der Chipträger.

Keine Dauerpiepser

Um zu vermeiden, dass etwa Autofahrer, die an einer Schule mit möglicherweise hunderten "gechipten" Kindern vorbeifahren, nicht in den Wahnsinn "gepiepst" werden, lässt sich die App speziell programmieren. Steindl: "Das System erkennt, dass bei Schulbeginn viele Schüler anwesend sind, und sendet eine Schulwarnung an den Autofahrer."

Mehrere Projektpartner, etwa das Kuratorium für Verkehrssicherheit, hätten schon Interesse angemeldet, so der Software-Spezialist: "Die Entwicklung ist so weit abgeschlossen, im Frühling starten wir dann gemeinsam mit dem oberösterreichischen Landesschulrat ein Pilotprojekt an mehreren Schulen." (Markus Rohrhofer, 19.1.2016)

  • Die jüngsten Verkehrsteilnehmer leben im Straßenverkehr oft am gefährlichsten.
    dpa/david ebener

    Die jüngsten Verkehrsteilnehmer leben im Straßenverkehr oft am gefährlichsten.

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