Solidarität in Paris mit den Angriffsopfern von Köln

19. Jänner 2016, 11:24
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Demonstration richtet sich auch gegen Instrumentalisierung von rechts: "Nein zu Gewalt gegen Frauen – egal ob in Köln, beim Bierfest oder im Schlafzimmer"

Paris/Köln – Aus Solidarität mit den in der Silvesternacht angegriffenen Frauen haben sich in Paris am Montagabend knapp 200 Menschen zu einer Kundgebung eingefunden.

"Solidarität mit den Frauen auf der ganzen Welt" und "Asylrecht für jede bedrohte Frau", riefen die Protestierenden und schwenkten Fahnen verschiedener Frauenrechtsorganisationen. Einige Rednerinnen hatten sich eine französische Flagge umgehängt.

Zu dem Protest aufgerufen hatten rund 20 Frauenrechtsorganisationensowie die französischen Grünen und mehrere Gewerkschaften. In einer gemeinsamen Erklärung verurteilten sie die gewaltsamen Übergriffe in Köln und forderten eine lückenlose Aufklärung der "massiven" Vorfälle. "Nein zu Gewalt gegen Frauen – egal ob in Köln, beim Bierfest oder im Schlafzimmer", rief die Menge bei der Kundgebung. Sie fand im Stadtzentrum an der Fontaine des Innocents (Brunnen der Unschuldigen) statt.

Gegen Instrumentalisierung

In der Silvesternacht waren in Köln rund um den Hauptbahnhof aus einer großen Menschenmenge heraus zahlreiche sexuelle Übergriffe auf Frauenund andere Straftaten verübt worden. In den Tagen danach gingen hunderte Anzeigen bei den Behörden ein. Inzwischen wurden mehr als 20 Beschuldigte unter anderem aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum identifiziert.

Die DemonstrantInnen in Paris wehrten sich vor diesem Hintergrund zugleich gegen die Instrumentalisierung der Kölner Vorfälle für rechtspopulistische Zwecke. "Egal ob es sich um Asylbewerber handelt, wer sie sind oder woher sie kommen", heißt es in dem Aufruf zu den Tätern, "wir sind gegen jede Gewalt gegen Frauen". In Deutschland hatte unter anderem die fremdenfeindliche Pegida-Bewegung die Vorfälle von Köln für ihre eigenen Zwecke benutzt. In Frankreich äußerte sich die rechtsextreme Front National zu den Vorfällen.

Zudem wird in der deutschen Bundesregierung seitdem über verschärfte Abschieberegeln diskutiert – wofür etwa die französische Frauenorganisation FDFA kein Verständnis hat: Jeder Fall müsse gesondert betrachtet werden, sagte der 65-jährige Olivier, der mit einer Freundin am Montag die Organisation bei der Demo vertrat. "Sie abzuschieben bedeutet noch lange nicht, dass wir das Problem aus der Gesellschaft vertrieben haben." (APA, 19.1.2016)

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