Zeman nennt Norwegens Jugendamt "Kinder entführende Gangster"

18. Jänner 2016, 17:54
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Sorgerechtsstreitigkeiten zwischen Prag und Oslo belasten diplomatische Beziehungen

Prag – Sorgerechtsstreitigkeiten belasteten weiter die Beziehungen zwischen Tschechien und Norwegen. Nun gießt der tschechische Staatspräsident Milos Zeman erneut Öl ins Feuer. In einem Interview am Sonntag forderte er die Abberufung des Botschafters aus Oslo und bezeichnete das norwegische Jugendamt (Barnevernet) als "Gangster-Organisation, die Kinder entführt".

"Barnevernet ist ein Staat im Staat. Und jede Organisation, die keine Kontrolle über sich hat, macht was sie will", betonte Zeman weiter im Interview mit dem Internet-Fernsehsender "Blesk.cz". Die Abnahme der Kinder durch das Jugendamt sei eine "Entführung". Die bisherige Hilfe der tschechischen Regierung in den Sorgerechtsstreiten zwischen Prag und Oslo war laut Zeman "unzureichend".

Der Staatspräsident forderte, den tschechischen Botschafter in Oslo zu Konsultationen nach Prag abzuberufen. Zugleich betonte Zeman, dass die norwegische Botschafterin in Prag, Siri Ellen Sletner, weiter bei offiziellen Feierlichkeiten und Empfängen unerwünscht sei. Der tschechische Premier Bohuslav Sobotka wies die Forderung Zemans nach der Abberufung als "nicht geeignete Reaktion" zurück.

Angeblich "unzureichend entwickelter" Kontakt

Der jüngste Sorgerechtsstreit betrifft ein neunmonatiges Mädchen einer tschechischen Mutter und eines norwegischen Vaters. Das Mädchen wartet in Norwegen im Krankenhaus auf eine Nieren-Transplantation. Vor einigen Wochen teilte das Jugendamt den Eltern die Abnahme des Kinders mit, weil angeblich der Kontakt zwischen ihnen und dem Mädchen "unzureichend entwickelt" sei.

Der andere Fall betrifft zwei heute sechs und zehn Jahre alte Buben tschechischer Eltern, die ihnen im Jahr 2011 in Norwegen nach Missbrauchsvorwürfen entzogen und an eine norwegische Pflegefamilie übergeben wurden. Der Jüngere wurde mittlerweile zur Adoption in Norwegen freigegeben. Beim älteren Sohn verlor die Mutter alle Elternrechte. Strafrechtliche Konsequenzen gegen die Frau gab es Medienberichten in Tschechien zufolge jedoch keine. (APA, 18.1.2016)

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