Warum Geckos nicht beliebig groß werden

18. Jänner 2016, 21:00
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Britische Forscher berechneten, warum es eine natürliche Größenobergrenze für das Klettern nach Geckoart gibt

Cambridge/Wien – Was Spiderman auf der Leinwand vormacht, können Geckos schon lange. Der Lauf über senkrechte Wände, den selbst glatte Fensterscheiben nicht stoppen können, hat sich offenbar evolutionär bewährt: Mit ihren klebrigen Zehen kommen Geckos leichter an Beute heran, und auch auf der Flucht dürften sie sich als nützlich erwiesen haben.

Heute besitzen rund 850 Geckoarten die dafür nötige Ausrüstung. Diese besteht aus feinsten Härchen, die die Echsen per Van-der-Waals-Kraft am Untergrund befestigen. Wie gut die Methode funktioniert, zeigt, dass selbst die größten Geckos, etwa der bis zu 400 Gramm schwere Tokeh, an der Unterseite von Glasplatten nicht den Halt verlieren.

In dieser Gewichtsklasse dürfte auch die Obergrenze angesiedelt sein, ab der die Haftfähigkeit nicht mehr praxistauglich ist. David Labonte und seine Kollegen von der University of Cambridge haben nun im Fachjournal "Pnas" vorgerechnet, woran das liegt.

Wachsende Haftfläche

Ihr Vergleich von über 200 Spezies belegt, dass mit zunehmender Körpergröße auch der relative Anteil der benötigten Haftfläche an der Gesamtoberfläche zunimmt. Mit anderen Worten: Ein Gecko, der sich auf senkrechten Ebenen bewegen soll, ist größenmäßig nicht beliebig nach oben skalierbar. Ab einem gewissen Punkt wäre die dafür notwendige Haftfläche theoretisch größer als die verfügbare Körperoberfläche des Tieres.

"Das bedeutet, dass es ein Limit geben muss. Jenseits davon wären die Haftzehen viel zu groß, um noch sinnvoll eingesetzt zu werden", erklärt Labonte. Wollte beispielsweise ein Mensch die Wände hochkriechen – von eleganten Spiderman-Sprüngen kann dabei noch gar keine Rede sein – dann müssten 80 Prozent seiner Körpervorderseite mit Geckohaftflaum bedeckt sein.

Große Geckos bilden die Obergrenze

Bei solchen Dimensionen macht die Evolution schon längst nicht mehr mit, zu kostspielig wäre dies in Relation zum Nutzen. Nach Ansicht der Forscher findet man das von der Natur gerade noch tolerierte Verhältnis zwischen Größe bzw. Gewicht und haftfähiger Zehenfläche offenbar bei den derzeit größten Geckoarten an.

Das Limit muss aber nicht automatisch für künstliche Haftmaterialien gelten. Das Vorbild Gecko könnte laut Labonte dabei helfen, großflächige leistungsfähigere adhäsive Werkstoffe zu entwickeln. (Thomas Bergmayr, 18.1.2016)

  • Rund 60 Prozent der 1400 bekannten Geckoarten besitzen Haftzehen. Diese haben sich in der Evolution elfmal unabhängig voneinander entwickelt – ein Hinweis auf ihren praktischen Nutzen.
    foto: dr p. marazzi / science photo library / picturedesk.com

    Rund 60 Prozent der 1400 bekannten Geckoarten besitzen Haftzehen. Diese haben sich in der Evolution elfmal unabhängig voneinander entwickelt – ein Hinweis auf ihren praktischen Nutzen.

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