Die arabische Sorge über einen starken Iran

18. Jänner 2016, 17:18
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In den arabischen Staaten ist man alles andere als erfreut über ein wirtschaftliches Erstarken des Iran

Eine Reaktion auf das Ende der Iran-Sanktionen war in der arabischen Golfregion ganz konkret zu spüren: Die Aktienmärkte befanden sich am Sonntag auf Talfahrt. Das war zwar einerseits eine Folge des sinkenden Ölpreises; doch diese Entwicklung könnte auch bedeuten, dass die Golfländer noch schärfere Sparprogramme umsetzen müssen als bisher schon geplant – und damit ausländische Investitionen an den neuen Konkurrenten Iran verlieren.

Auf der politischen Bühne waren die Reaktionen weniger hektisch: Von den Regierungen meldete sich vorerst nur jene des Oman offiziell zu Wort; ein Land das sowohl zum Iran als auch zu Saudi-Arabien gute Beziehungen pflegt. Außenminister Yusuf bin Alawi erklärte, die Aufhebung der Iran-Sanktionen würde die Friedensaussichten für die Region verbessern und die Bedrohung für einen drohenden Krieg vermindern.

Skepsis und Misstrauen

Im Übrigen ist in den arabischen Staaten und in den Golfländern von der positiven Bewertung – mit der die Grundsatzeinigung mit dem Iran im April noch bedacht worden war – kaum mehr etwas zu spüren.

Jetzt stehen vielmehr Skepsis und Misstrauen im Vordergrund; eine klare Konsequenz der letzthin verschärften Krise zwischen Riad und Teheran. In deren Folge hatten fast sämtliche Regierungen der Region massive Angriffe gegen Teheran lanciert und Ängste vor einem wirtschaftlichen Erstarken geäußert.

Karikaturisten in den großen arabischen Tageszeitungen sparten am Sonntag und Montag nicht mit Häme: Sie zeigten etwa den iranischen Mullah, wie er mit Herzen und Blumen die USA – vom Zeichner nicht etwa als Adler, sondern als gerupftes Huhn dargestellt – umgarnt. Ein anderer zeichnete den Iran als fette Kuh, aus der viele die Dollars melken wollen. Auf große Aufmerksamkeit und Genugtuung stießen die neuen bilateralen Sanktionen der USA (siehe Artikel unten). Tenor: Der Iran konnte zwar die Nuklearsanktionen loswerden, nur um sofort neuen im Zusammenhang mit Raketentests gegenüberzustehen.

Warnung aus Riad

Am Wochenende hatte der saudische Außenminister Adel al-Jubair gewarnt, ein Ende der Iran-Sanktionen sei besorgniserregend, denn der Iran könne neue Gelder dafür einsetzen, um weitere destabilisierende Aktionen in der Region zu finanzieren – und nicht für das Wohlergehen der eigenen Bürger.

Im April des Vorjahres hatten noch viele arabische Kommentatoren die Hoffnung geäußert, ein Atomdeal könne dazu führen, dass der Iran auch mehr Flexibilität an andern Brennpunkten der Region zeigt. Diese Hoffnung hat sich weitgehend zerschlagen – etwa im Libanon, wo die Blockade um die Wahl eines Präsidenten nicht durchbrochen werden konnte.

Alle jene, die meinten, der Iran sei jetzt ein Paradies, sollten aufwachen, riet nun ein Kommentator. Ein anderer schloss mit dem Appell, der Iran solle mit seinen Nachbarn zusammenarbeiten und sich nicht in ihre Angelegenheiten einmischen; das sei das beste Rezept, um den Terror zu bekämpfen. Die Gewinner eines andauernden Konflikts zwischen Teheran und insbesondere Riad seien nur die Waffenhändler – und die USA, die dann versuchen würden, eine Rolle als Mediator zu spielen, lautete das Fazit eines ägyptischen Kolumnisten. (Astrid Frefel aus Kairo, 19.1.2016)

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