Leuchtende Zukunft für den "blauen Brennstoff"

Kommentar der anderen18. Jänner 2016, 17:06
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Es soll mehr Transparenz und Stabilität in den internationalen Gasmarkt kommen. Dafür braucht es mehr Koordination mit der Politik, der Industrie und vor allem unter den gasproduzierenden Ländern selbst

Weltweit befindet sich die Energiewirtschaft im Wandel. Der Ölpreis ist innerhalb des letzten Jahres gesunken und immer unbeständiger geworden. Jetzt liegt es an uns Gasexporteuren, ein positives Signal an die Energiewirtschaft zu senden. Wir müssen realisierbare und langfristige Planungssicherheit für Preise von Primärenergieträgern erreichen.

Erst kürzlich haben einander die Vorsitzenden des Forums Gas exportierender Länder (GECF) in Teheran getroffen, um gemeinsam Lösungsansätze und Richtlinien für den internationalen Gashandel zu erarbeiten. Diese halten wir für angemessen, da sie die Planungssicherheit des Energiesektors in der weltwirtschaftlichen Entwicklung unterstützen.

Als reichhaltiger, sicherer und sauberer Kraftstoff ist Erdgas eine realistische und erschwingliche Wahl für eine nachhaltige, kohlenstoffarme Zukunft. GECF-Länder sind zuverlässige Exporteure, die über den Löwenanteil der weltweiten Gasreserven verfügen und die wachsende Nachfrage des Weltmarktes decken werden.

Schätzungen zufolge soll der weltweite Gasverbrauch bis 2035 um ein Drittel ansteigen und könnte die Fünf-Billionen-Kubikmeter-Marke durchbrechen. Hauptwachstumsmarkt wird der asiatisch-pazifische Raum sein, wo die Nachfrage für Gas auch den Verbrauch des nordamerikanischen Marktes übertreffen wird. Der gemeinsame Anteil der beiden Märkte wird über diesen Zeitraum auf etwa die Hälfte des gesamten Weltverbrauchs ansteigen.

Uns, der Russischen Föderation, liegt viel an einer engen Kooperation zwischen den GECF-Mitgliedern. Sie tragen einen großen Beitrag zur Stabilität des globalen Gasmarktes und garantieren Mitgliedsstaaten das Recht, ihre eigenen Gasressourcen unabhängig zu fördern.

Langzeitverträge

Experten der Erdgasbranche ist schon lange bewusst, dass Langzeitverträge einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung von Gasverbrauch und -versorgung leisten. Während des Gipfeltreffens in Teheran betonten die GECF-Staaten immer wieder, wie wichtig Langzeitverträge mit Öl/Ölprodukt-Indexierung sind, um eine ausgewogene Risikoverteilung zwischen Produzenten und Verbrauchern zu bewahren. Demzufolge werden Langzeitverträge auch weiterhin erhebliche Investitionen in die Gasproduktion gewährleisten und zu fairen Gaspreisen beitragen (unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Gasvorkommen nicht erneuerbar, sondern erschöpfbar sind und, dass es sich bei Gas um einen energieeffizienten und ökologisch sauberen Kraftstoff handelt).

In Abwesenheit eines weltweit integrierten Gasmarktes ist es schwierig, einen "korrekten" Gaspreis zu bestimmen. Der "Blaue Brennstoff" ist ein spezieller Rohstoff, dessen physikalische Eigenschaften die Möglichkeiten zur Langzeitspeicherung erheblich einschränken. Verbraucher und Produzenten können nicht den Großteil ihrer Zeit damit verbringen, die Speicher aufzufüllen. Doch Erdgas ist und muss weiterhin ein wettbewerbsfähiger Brennstoff bleiben, dessen Preis aus der Öl/Ölprodukt-Indexierung in Verbindung mit Gas-Hub-Preisen und hybriden Preismodellen bestimmt wird.

Das GECF ist weder dafür zuständig, Produktionsquoten zu definieren, noch die Preisgestaltung zu beeinflussen. Es sieht seine Aufgaben im Investitionsschutz und im Interessenausgleich zwischen Erdgasproduzenten und -konsumenten.

Die GECF-Staaten haben sich in Teheran zu einer verstärkten Koordinierung ihrer Politik und Absprachen bei der Strategie entschlossen. Es soll ein Dialog zwischen Mitgliedsländern, Gasimportländern und der Industrie entstehen, um mehr Transparenz und Stabilität zu fördern. Für diese Ziele und für eine kohärente Antwort auf globale Energiefragen haben wir uns dafür eingesetzt, dass das Forum noch stärker die Positionen seiner Mitglieder definiert und verteidigt. In der Teheran-Erklärung wurde außerdem verankert, dass das GECF als internationale Bühne zum Dialog zwischen Gasproduzenten und Gasverbrauchern dienen soll.

Die Dritte Erdgaskonferenz hat die Mitgliedsstaaten noch enger zusammengebracht und Produktionsländern und ihrer Gasindustrie noch einmal verdeutlicht, wie wichtig heutzutage eine enge Zusammenarbeit ist. Erdgas ist weiter die beste Wahl für eine nachhaltige Entwicklung. Als sauberer Brennstoff übernimmt Erdgas eine immer wichtigere Rolle im Kampf für eine Weltwirtschaft, die nicht mehr auf Kohle basiert, und für eine Umwelt, in der auch die kommenden Generationen leben können. (Viktor Zubkhov, 18.1.2016)

Viktor Zubkhov (Jahrgang 1941) ist Aufsichtsratsvorsitzender des russischen Energiekonzerns Gazprom und Russlands Sonderbeauftragter für das Forum Gas exportierender Länder (GECF). Zwischen 2007 und 2008 war er russischer Premierminister. Heute, Dienstag, beginnt in Wien die European Gas Conference 2016.

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