Zahl der Touristen stieg 2015 trotz Terrorgefahr weltweit deutlich

18. Jänner 2016, 15:52
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Die Welttourismusorganisation verzeichnet bei den Auslandsurlaubern im Jahr 2015 einen Anstieg um 4,4 Prozent auf fast 1,2 Milliarden. 2016 wird nach sechs Jahren mit hohen Steigerungsraten eine leichte Abschwächung der Zuwächse erwartet.

Trotz internationaler Konflikte und Terrorgefahren hat der Tourismus seinen Rekordkurs voriges Jahr fortgesetzt. Wie die UN-Tourismusorganisation (UNWTO) am Montag in Madrid mitteilte, stieg die Zahl der Auslandsurlauber 2015 gegenüber dem Jahr davor weltweit um 4,4 Prozent auf fast 1,2 Milliarden. Damit habe die Reisebranche schon das sechste Jahr in Folge ein Wachstum von über vier Prozent erzielt.

Zu den jüngsten Terroranschlägen auf touristische Einrichtungen sagte die UN-Organisation, solche Attacken hätten allenfalls kurzfristige Auswirkungen. Für heuer erwartet die UNWTO eine leichte Abschwächung des Wachstums. "Was immer geschieht, die Auswirkungen werden stets nur kurzfristiger Natur sein. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre haben Terroranschläge für den Tourismus mittel- und langfristig keine größeren Folgen", meint UNWTO-Generalsekretär Taleb Rifai. Die Urlauberbranche erhole sich rasch nach solchen Attacken.

Doppelt erschüttert

Die UNWTO äußerte sich jedoch besorgt darüber, dass einzelne Staaten aufgrund der Terrorgefahr Reiseeinschränkungen verhängen könnten. Damit würden die betroffenen Länder in zweifacher Hinsicht zu Opfern, sagte Rifai. Zuerst würden sie von Terroranschlägen erschüttert und anschließend international isoliert. Die Sicherheit könne auch mit anderen Mitteln gewährleistet werden. "Der Terrorismus ist eine weltweite Bedrohung", betonte der UNWTO-Generalsekretär. Er könne nicht von einzelnen Staaten, sondern nur von der internationalen Gemeinschaft bekämpft werden.

Nur in Afrika Rückgang

Nach Angaben der Organisation verdoppelte sich in den vergangenen 20 Jahren weltweit die Zahl der Touristen. 2015 verzeichneten Europa, Asien und der Pazifik-Raum sowie Nord- und Südamerika mit einem Plus von jeweils ungefähr 5,0 Prozent die höchsten Zuwachsraten. In Afrika ging die Touristenzahl im Vergleich zum Vorjahr um etwa drei Prozent zurück. Dies führte die UNWTO vor allem auf einen starken Rückgang im Norden des Kontinents zurück.

Die Vorteile von Schengen

Die UN-Organisation geht davon aus, dass mit den Touristenzahlen auch die Einnahmen der Branche gestiegen sind. Dafür lägen für 2015 jedoch noch keine verlässlichen Statistiken vor, so die UNWTO. Sie warnte davor, aufgrund des Flüchtlingszustroms in Europa das Schengener Abkommen über die Aufhebung von Grenzkontrollen auszuhebeln. "Dieses Abkommen hat den Europäern viele Vorteile gebracht", betonte der UNWTO-Generalsekretär. "Es darf nicht geopfert werden."

Die UNWTO zählt als Touristen alle Reisenden, die wenigstens eine Nacht im Ausland verbringen. Nach ihren Angaben hat die Branche weltweit direkt und indirekt einen Anteil von fast zehn Prozent am Bruttoinlandsprodukt und stellt neun Prozent der Arbeitsplätze. (APA, dpa, red, 18.01.2016)

  • Die Anzahl der Touristen weltweit verdoppelte sich in den vergangenen 20 Jahren.
    foto: reuters / stringer

    Die Anzahl der Touristen weltweit verdoppelte sich in den vergangenen 20 Jahren.

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