Innsbruck: "Besuch der alten Dame" als "Komödie der Hochkonjunktur"

18. Jänner 2016, 15:29
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Irmgard Lübkes Version von Friedrich Dürrenmatts Stück, die vergangenen Samstag am Tiroler Landestheater erstmals über die Bühne ging

Güllen ist ein düsterer Ort. Schwer lastet die Wirtschaftsmisere auf den Bürgern. Sie kleiden sich einheitlich in dunkles Grau (Kostüme: Andrea Kuprian). Später dann, wenn die Hoffnung auf Finanzhilfe aufkeimt, wird das Grau lichter, zuweilen mischen sich Farben darunter.

Dann tauchen die gelben Schuhe auf. Zuerst vereinzelt. Es werden aber immer mehr, und sie entlarven die Haltung des Trägers – bis am Ende ein geifernder Mob von Gelbschuhträgern den geläuterten und gefassten Alfred Ill (Andreas Wobig) – als Einziger in dunklem Grau und mit schwarzen Schuhen verbleibend – richtet. Vermeintlich im Namen der Gerechtigkeit wird das Urteil gefällt. Und der Mob schreitet sogleich zur Tat und vollstreckt das Unvermeidbare, damit endlich die Millionen fließen.

Es ist Irmgard Lübkes Version von Friedrich Dürrenmatts Der Besuch der alten Dame, die vergangenen Samstag am Tiroler Landestheater erstmals über die Bühne ging. Milliardärin Claire Zachanassian (Antje Weiser), mit rotem Lockenkopf und in skurriler Begleitung, sucht nach jahrzehntelanger Abwesenheit ihren Heimatort auf und würde ihm Millionen überlassen. Doch erst fordert sie Rache für einst erlittenes Unrecht. Und so soll ihr damaliger Geliebter Alfred Ill sterben, bevor sie Geld lockermacht.

Und während die Bürger mit sich ringen, bläst Zachanassian abwartend ihre Rauchkringel in die Luft oder thront versteinert in monströsem Brautkleid über dem Geschehen. Dürrenmatt bezeichnete das Stück als tragische Komödie, dieser Abend nennt sich im Subtitel Komödie der Hochkonjunktur. Doch wenig Komödiantisches und auch sonst wenig Prickelndes ist der Inszenierung abzugewinnen. Die Leistung des Ensembles kann man als solide bezeichnen, mehr aber auch nicht. Der Abend endet mit mattem Applaus. (dns, 18.1.2016)

Landestheater Innsbruck, nächste Vorstellungen: 21. und 22. 1., 19.30

  • Gnadenlose Rache: Die Eunuchen Loby und Koby (Philipp Rudig, Stefan Riedl) reisen mit Claire Zachanassian nach Güllen.
    foto: rupert larl

    Gnadenlose Rache: Die Eunuchen Loby und Koby (Philipp Rudig, Stefan Riedl) reisen mit Claire Zachanassian nach Güllen.

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