Männermode Mailand: Freud holt das Kätzchen raus

Ansichtssache19. Jänner 2016, 11:13
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Die Männer haben in Mailand die Wahl zwischen Pyjama, Camouflage und Nagellack. Längst sind die Geschlechtergrenzen aufgeweicht

foto: apa/afp/giuseppe cacace

Da schauten wieder alle hin: Alessandro Micheles dritte Männerkollektion für Gucci bleibt seiner geblümten, androgynen wie glamourösen Interpretation der Siebziger Jahre treu. Die handtellergroßen Nerd-Brillen und Schluppenoberteile bleiben, dazu kommen diese Saison bestickte Pyjamas und große Cowboyhüte. Und dazwischen schaffte sogar Snoopy den Sprung auf ein Oberteil.

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Mittlerweile ist es keine Meldung mehr wert , wenn während der Männermodeschauen auch Frauen den Laufsteg betreten. Und das nicht nur bei Gucci. Da sehen auch die Männer unter ihren peruanischen Strickmützen mit den langen Bommeln irgendwie bezopft aus. Einer der letzten Looks: eine Jeansjacke, die Bowie mit einem Schriftzug huldigte. Das war aufgelegt.

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Dolce & Gabbana, wie immer das ganz große Theater. Diesmal haben sich Domenico Dolce und Stefano Gabbana vorgenommen, auf dem Laufsteg einen sizilianischen Western zu inszenieren. Und so marschierte eine selbstbewusste Armada aus Seidenzweiteilern, bedruckt mit Lassos, Wagenrädern, Pferden über den Laufsteg. Zwischen Pistolen- und Rosenmustern tauchte die Dolce & Gabanna-Hauskatze auf.

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Teddy-Hosen? Funktionieren selbst bei den Sizilianern vor allem als Show-Element. Dafür mussten die Models diesmal ihre Multitasking-Fähigkeiten unter Beweis stellen. Sie streckten iPads, mit Kakteen-Aufklebern verziert, in die Höhe und übertrugen das Geschehen auf die Leinwand und in die sozialen Netzwerke. Schon bei den Frauen hatten Dolce & Gabbana Smartphones in ihre Show integriert.

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Die futuristische Skifahrer-Truppe, die Georgio Armani für die Kollektion von Emporio Armani vorausschickte, sollte wohl schon einmal Appetit machen auf die technoiden Elemente, die zwischen die Armani-Anzüge geschoben wurden: Schimmernde Oberflächen, geometrische Applikationen und Bondings. Dazu trägt der Armani-Mann eine verspiegelte Pilotenbrille.

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Dass Moncler-Designer Thom Browne immer wieder Models zu uniformen Auftritten zusammenstellt, ist nichts Neues. Für den Sommer erst hatte er eine stramme Rudergruppe in weißen Kniestrümpfen auflaufen lassen. Aber das hier, das muss man erstmal wagen: Browne setzte alles auf eine Karte – und die heißt Camouflage. Rot, Blau, Weiß, Grau, vom Strickstrumpf überm Kopf bis zur Sohle. Und dazwischen? Eh klar.

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Die Prada – Kollektion will jede Saison aufs neue entschlüsselt werden. Diesmal machte Designerin Miuccia Prada den Modefachleuten einfach: ihre kurzärmligen Männerhemden tragen nämlich Botschaften auf der Brust. Miuccia Prada beobachtet gesellschaftliche Veränderungen und vor allem Auseinandersetzungen. Vielleicht versammelte der französische Künstler Christophe Chemin ja deshalb Kampfszenen auf einem Hemd. Darauf zu sehen: Herkules, Sigmund Freud, mit einem Knüppel bewaffnet und Nina Simone in Boxhandschuhen. Darüber empfiehlt sie dicke Mäntel und lose Krägen.

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Gemusterte Strickstrumpfhosen unterm Ledermantel oder Vanitas-Stillleben, eine quer gelegte Handtaschen (wie damals in den Neunzigern), viel mehr braucht Frau im nächsten Winter nicht, wenn es nach Miuccia Prada geht.

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Auch bei Vivienne Westwood verschwimmen die Geschlechtergrenzen. Ihre Models tragen Lidschatten in Yves Klein-Blau, Nagellack und Plateauschuhe, Anzüge und manchmal auch Kleider. Expliziter Hingucker: die Ketten mit goldenem Penis-Anhänger.

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Wer meint, Plateau und Absatz sei nur was für Frauen, ist bei Westwood an der falschen Adresse. Sie führt vor, dass Männer auch mit einigen Zentimeter Höhe klar kommen können – wenn sie denn wollen.

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Stefano Pilati zeigt bei Ermenegildo Zegna den dekorierten Mann – in einer lässigen, zurückgenommenen Variante: jede Menge Brokate und Jaquardstoffe, Perlenstickereien auf Strickpullovern, darüber gehängte Mäntel, weite, hoch sitzende Hosen. Brüche gabs auch: Armbinde und Fischerhut.

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Ledermäntel, Lederhosen und Ledergürtel, um den Körper geschlungen. Jil Sander-Designer Rodolfo Paglialunga hat klare Materialvorlieben. Ob das immer so ganz praktikabel ist, steht auf einem anderen Blatt. Für die, die es etwas praktischer mögen, gibt’s Bomberjacken, die mal zu einer Hose oder einem Overall gerinnen.

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Die Models bei Fendi waren zu beneiden. Denn bequemer geht’s wohl nimmer: über den Laufsteg liefen karierte und behaarte Bademäntel für obendrüber und Pyjamas für untendrunter. Die Bequemlichkeit wurde gen Boden mit Fellschuhen verlängert. Für Abwechslung sorgten auf Sweatshirts applizierte bunte Comic-Blasen und -köpfe.

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