Prozentgrenze bei Gesamtschule: "Das ist Murks"

19. Jänner 2016, 05:30
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In Tirol regt sich Widerstand gegen die geplante 15-Prozent-Grenze bei Modellregionen zur Gesamtschule. Eine Steuerungsgruppe will Änderungen

Innsbruck/Wien – Die 15-Prozent-Grenze muss weg. Dessen ist sich Gebi Mair sicher. Der Klubobmann der Tiroler Grünen ist eines der Mitglieder der neu gegründeten Steuerungsgruppe für die Einführung einer Modellregion zur Gesamtschule in seinem Bundesland. "Das ist Murks", sagt er im Gespräch mit dem STANDARD über den Vorschlag der Bundesregierung, dass maximal 15 Prozent der Schüler und 15 Prozent der Schulstandorte pro Schulart an einer Modellregion teilnehmen dürfen.

Vergangene Woche hat sich in Tirol eine Steuerungsgruppe gebildet, die den Schulversuch für die gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen vorbereiten soll. Die Voraussetzung dafür ist die Bildungsreform des Bundes. Bis zum Frühsommer soll der Gesetzesentwurf stehen, und wenn es nach Mair geht, wird sich bis dahin noch einiges an dem Vorhaben ändern. "Unsere Aufgabe ist es, bis zur Beschlussfassung auf die Regierung Einfluss zu nehmen."

Weitere Arbeitsgruppen

Etwas weniger zugespitzt formuliert es Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP). "Die Steuerungsgruppe wurde als Grundlage für die Implementierung des Entwurfs für die Bildungsreform gegründet", sagt sie zum STANDARD. Es gelte Vorbereitungen für die Tiroler Modellregionen zu treffen. Zudem sollen Arbeitsgruppen für pädagogische und rechtliche Fragen eingerichtet werden.

Eigentlich sieht die schwarz-grüne Landesregierung in ihrem Koalitionsabkommen Modellregionen für das Zillertal und Innsbruck vor. Im Zillertal läuft der Test bereits. Der Widerstand hielt sich in Grenzen, da es dort ohnehin kein Gymnasium gibt. In Innsbruck hingegen ist die Landesregierung bisher bei der Umsetzung ihres Vorhabens an der mangelnden Zustimmung von Eltern und Lehrern gescheitert. Wenn die 15-Prozent-Grenze bleibt, könnte auch künftig die Gesamtschule in der Tiroler Hauptstadt nicht getestet werden. Im ganzen Bundesland wären dann nur zwei bis drei AHS-Unterstufen betroffen, sagt Palfrader. "Aber wenn der Nationalrat das so beschließt, dann habe ich das zu akzeptieren."

"Nicht Untergang des Abendlandes"

Die Landesrätin will sich weiterhin für die Gesamtschule einsetzen. "Es gibt große Aufregung in den Regionen, aber es ist nicht sinnvoll, Panik zu verbreiten." Die Gesamtschule sei nicht der "Untergang des Abendlandes". Vielmehr sei es wichtig, den "immensen Druck" zu nehmen, der auf acht- und neunjährigen Kindern aufgrund der frühen Entscheidung für eine Schullaufbahn laste.

Der Grüne Mair hofft, dass sich die Bundesregierung noch bewegt. "Ich glaube, da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen." Dabei helfen sollen zwei Tiroler Nationalratsabgeordnete. Karlheinz Töchterle (ÖVP) und Sigrid Maurer (Grüne) sitzen ebenfalls in der Steuerungsgruppe. "Ein Teil unserer Arbeit wird sein, Druck zu machen", sagt Maurer. Sie könne auch den Informationsfluss zwischen Tirol und dem Nationalrat verbessern.

Starre Front aufgeweicht

Auch Töchterle verweist darauf, Mitglied des parlamentarischen Unterrichtsausschusses zu sein, "wo die notwendigen und derzeit in Ausarbeitung befindlichen Gesetzesmaterien ja auch behandelt werden". Seine Mitarbeit in der Steuerungsgruppe sei deshalb stimmig. Für ihn ist zentral, dass in die Umsetzung sämtliche Betroffenen eingebunden werden. Nur so könne die Reform gelingen.

Als Wissenschaftsminister galt Töchterle als Verfechter des Gymnasiums. Heute sagt er: "Im Zuge der vorgelegten Reformschritte muss man anerkennen, dass es zu einer Aufweichung an der starren Front Gymnasium versus Gesamtschule gekommen ist."

Ganz anders klang da ÖVP-Klubchef Reinhold Lopatka bei der Klubklausur vergangene Woche: "Menschen sind verschieden, daher ist es auch richtig, ein differenziertes Schulsystem zu haben." Die Bundes-ÖVP stellte damals klar: Auch wenn es sich die Vorarlberger, die Tiroler und die Grünen wünschen, an der 15-Prozent-Grenze wird sich nichts ändern. (Lisa Kogelnik, 19.1.2016)

  • Die Steuergruppe in Tirol soll die Einführung von Modellregionen zur Gesamtschule vorbereiten.
    foto: apa/dpa/daniel reinhardt

    Die Steuergruppe in Tirol soll die Einführung von Modellregionen zur Gesamtschule vorbereiten.

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