Selbstfahrende Autos: Ohne Menschen geht es noch nicht

18. Jänner 2016, 11:29
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Die Technologie macht große Fortschritte, doch der autonome Straßenverkehr ist noch einige Jahre entfernt

Viel weniger Unfälle, reduzierter CO2-Ausstoß, schnellere Transportzeiten. Es sind dies die Verheißungen, die selbstfahrende Autos mit sich bringen und die das Potenzial haben, unseren Alltag dramatisch zu verändern. Dem Gegenüber stehen natürlich auch Gefahren. Wie sichert man vernetzte Autos gegen Hacks ab? Und vor allem: Wie garantiert man, dass sie zuverlässig sicher fahren?

Gerade die letzte Frage steht im Fokus, jetzt wo die ersten autonomen Vehikel mancherorts schon testweise am Straßenverkehr teilnehmen. Dort soll erprobt werden, wie gut sie bereits für reale Herausforderungen gewappnet sind. Die Ergebnisse sind vielversprechend. Doch, so schreibt die New York Times, es wird noch länger dauern, bis sich die Revolution am Asphalt vollzieht. Der Mensch hinter dem Steuer ist noch viele Jahre lang nicht zu ersetzen.

Versprechen vs. Realität

Das steht freilich im Kontrast zu den Botschaften mancher Hersteller. Elon Musk, Chef von Tesla Motors und bekanntlich nicht um wagemutige Ansagen verlegen, meint etwa, dass die neue "Autopilot"-Funktion, über die Tesla S-Modelle seit letztem Herbst verfügen, gar "jetzt schon besser als ein Mensch" sei.

Der Start des Features verlief allerdings nicht gerade nach Plan, wenige Wochen nach dem Roll-out hatten bereits einige Nutzer dokumentiert, dass das System in so mancher Situation seine Fahrer in erhebliche Gefahr bringt. Musk hält es für möglich, dass man in ein bis zwei Jahren ein Tesla-Auto problemlos alleine quer durch die USA fahren lassen könne.

Forschung nimmt Fahrt auf

Auch "alteingesessene" Hersteller betreiben mittlerweile einige Projekte und implementieren in neuere Modelle intelligente Systeme für einzelne Aufgaben. General Motors will mit Fahrdienstleister Lyft einen autonomen Taxidienst entwickeln. Und Uber arbeitet mit der Carnegie Mellon University an einem Forschungszentrum.

Die US-Regierung will für die nächsten zehn Jahre vier Milliarden Dollar für wissenschaftliche Projekte in diesem Bereich ausgeben, das Verkehrsministerium plant gleichzeitig die Aufhebung gesetzlicher Hürden, um Forschung und Tests zu erleichtern. Zumindest am Papier treten autonome Autos bereits ordentlich auf das Gaspedal.

Das "Handoff-Problem"

Trotz aller Marketingversprechen werden aber auch weitestgehend eigenständig fahrende Autos in absehbarer Zeit noch ihren Lenker auffordern, das Steuer zu übernehmen, wenn sie in komplexe Verkehrssituationen geraten. In der Industrie kennt man dies als das "Handoff-Problem". Es birgt ein ganz eigenes Gefahrenpotenzial. Denn jemand, der im Verlass auf seinen Wagen vielleicht gerade E-Mails auf seinem Handy liest oder anderweitig abgelenkt ist, reagiert vielleicht um einen Moment zu spät, um das Szenario zu überblicken und rechtzeitig einen Crash zu vermeiden.

Sebastian Thrun, ein Experte für Robotik und künstliche Intelligenz, der einst zu den Gründern von Googles Selfdriving-Car-Project zählte, absolvierte auch Testfahrten mit dem Tesla-Autopiloiten. Während dieser sich auf Schnellstraßen zuverlässig verhält, zeigt er deutliche Probleme auf Landstraßen und im Stadtverkehr. So hält er die Spur bei Kurven nur unruhig und bremst vor dem Abbiegen nicht. Auf einem Trip von Lake Tahoe nach Palo Alto musste Thrun auf einer Strecke von rund 350 Kilometern mehr als dein dutzend Mal eingreifen.

Nur teilweise alltagsreif

Neue, teilautonome Nissan-Modelle sind ebenfalls längst noch nicht vollständig gewappnet für den Straßenalltag. So verweigern sie die eigenständige Fahrt bei Schnee, starkem Regen und bestimmten Bedingungen in der Nacht.

Auch die Gesetzgebung erlaubt derzeit noch keine vollständig automatisierten Fahrten abseits von Testsituationen. In Europa gilt die "Wiener Konvention" von 1968, die vorsieht, dass jedes Fahrzeug einen Fahrer hat, der stets in der Lage sein muss, dieses zu kontrollieren. Änderungsvorschläge sind allerdings in Begutachtung. In Kalifornien musste Google einen Rückschlag hinnehmen. Dort schob die Verkehrsbehörde einem kommerziellen Start von Autos ohne Lenkrad mit einer ähnlichen Regelung einen Riegel vor. (gpi, 18.01.2015)

  • Auch Tesla S-Autos können teilweise autonom fahren, der Start der "Autopilot"-Funktion verlief allerdings holprig.
    foto: reuters

    Auch Tesla S-Autos können teilweise autonom fahren, der Start der "Autopilot"-Funktion verlief allerdings holprig.

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