Netflix: "Hollywood zwingt uns zu VPN-Sperren"

18. Jänner 2016, 09:52
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Rechteinhaber hätten neue Technologien zur Entdeckung entwickelt

Vor wenigen Tagen ging Netflix mit einem Blogeintrag an die Öffentlichkeit, der für einige Aufregung sorgte. Jahrelang hatte das Unternehmen zugesehen, wie sich viele seiner Kunden über Proxy-Tricks und VPNs Zugriff auf das Netflix-Angebot in anderen Ländern verschafften. Doch all das soll nun ein abruptes Ende finden, der Zugriff auf Netflix über solche Wege blockiert werden.

Aufregung

Was folgte, war eine veritable Empörungswelle: Vor allem außerhalb der USA verkündeten viele Nutzer ihren Netflix-Account kündigen zu wollen. Das lokal angebotene Programm sei einfach zu dünn, um dafür eine monatliche Abogebühr zu zahlen, so das Argument. Immerhin unterscheidet sich das Gebotene von Land zu Land maßgeblich, gerade in den USA bekommen die Nutzer erheblich mehr für ihr Geld geboten.

Blame Game

Im Rahmen der derzeit in den München stattfindenden DLD-Konferenz meldet sich nun Netflix-Boss Reed Hastings erstmals zu dieser Causa zu Wort – und schiebt die Schuld auf andere. Es seien die Hollywood-Studios, die Netflix zu solchen Sperren zwingen würden, so Hastings laut der Nachrichtenagentur DPA. Diese hätten neue Technologien entwickelt, um Unblocker-Apps und Co. aufzudecken, durch die Rechteabkommen sei man verpflichtet, diese einzusetzen. Insofern sei der betreffende Blogeintrag nur als Vorwarnung für etwas gedacht, auf das man keinen Einfluss habe.

Rechteproblem

Die Ursache ist in der verworrenen Rechtesituation zu suchen: Die meisten Filmstudios und TV-Sender weigern sich bislang globale Lizenzen an Netflix oder andere Anbieter zu vergeben. So müssen diese also für jedes Land neu verhandelt werden. Dieses Spiel führt zu der absurden Situation, dass selbst Netflix-eigene-Serien nicht immer vom Start weg in allen Ländern zu haben sind. Ein Paradebeispiel ist hier "House of Cards", das im deutschsprachigen Raum immer zuerst exklusiv bei Sky zu haben ist.

Zielsetzung

Das langfristige Ziel sei es allerdings in allen Ländern das gleiche Angebote zu haben, betont Hastings. Bis es soweit sei, würden aber wohl noch fünf bis zehn Jahre vergehen, macht sich der Netflix-Chef keinerlei Illusionen. Die angedachten regulatorischen Maßnahmen der EU gegen Geoblocking würden sein Unternehmen trotzdem nicht groß treffen, da man für das in Europa gebotene Programm schon jetzt zum größten Teil weltweit Rechte erworben habe. (red, 18.1.2016)

  • Netflix-Chef Reed Hastings sieht die Schuld für Proxy- und VPN-Sperren bei anderen.
    foto: steve marcus / reuters

    Netflix-Chef Reed Hastings sieht die Schuld für Proxy- und VPN-Sperren bei anderen.

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