Neue Onlinekanäle für die Mode: Grindr, Pornhub, Youporn

Kolumne20. Jänner 2016, 08:00
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In den letzten Jahren fixte Instagram die Modewelt an. Jetzt sind schwule Dating-Apps und Pornoseiten dran

Irgendwas liegt in der Luft, in der Modewelt geht es gerade ordentlich zur Sache: Grindr, Pornhub, Youporn, die Mode entdeckt schwule Dating-Apps und Pornoseiten für sich. Und nein, die altbekannten Experten für explizite Anzeigenmotive haben ihre Finger diesmal nicht im Spiel. Kein Tom Ford, der in den Nullerjahren einem Kampagnenmodel ein rasantes Gucci-G in die Scham rasieren ließ. Auch von Dov Charney, der nicht nur für die Sexualisierung des American-Apparel-Images immer wieder kritisiert wurde, oder Terry Richardson, der für den Pirelli-Kalender und zahllose Modeunternehmen halbnackte Frauen fotografierte, keine Spur.

foto: apa/afp/leon neal

Kein Wunder, Sex wird heute cleverer unter die Konsumenten gebracht. Der Blankzieh-Reflex der Herren Ford und Richardson – Männern in ihren Vierzigern und Fünfzigern – für die Printkampagnen in properen Hochglanzmagazinen wie "Vogue", "Cosmopolitan", "Elle" sieht dagegen ziemlich alt aus. Sich wie Marc Jacobs einen riesigen Parfumflakon zwischen die nackten Beine schieben? Lockt junge Konsumenten nicht mehr hinter dem Laptop oder dem Smartphone hervor.

Die Modewelt sucht stattdessen neue Werbekanäle. Nachdem Instagram und Snapchat die Modewelt im Sturm eroberten, kommt jetzt der nächste digitale Kick um die Ecke. Der britische Designer J. W. Anderson, der sich bislang noch für keine Kampagne seiner Hose entledigt hat, verkündete der "New York Times", seine Show via Grindr live zu streamen. Die Meldung, wenige Tage vor der Schau veröffentlicht, schlug wie erwartet Wellen.

Grindr? Das ist jene Dating-App für bisexuelle und schwule Männer, die bisher nicht im Verdacht stand, mit der Bekleidungsindustrie gemeinsame Sache zu machen. Mittlerweile sieht die Angelegenheit anders aus. Seit kurzem wird Grindr von einer PR-Agentur betreut, die Modedesigner wie Christopher Kane und, na klar, J. W. Anderson unter ihre Fittiche genommen hat. Das war aber noch nicht alles.

Die Unterwäschelinie von Calvin Klein hatte im letzten Herbst erst anzügliche Dialoge über Kampagnenbilder gelegt. Und gerade erst teilte Diesel-Designer Nicola Formichetti mit, die kommende Unterwäschekampagne nicht nur in den klassischen Medien, sondern auch auf Grindr und den einschlägigen Videoplattformen Youporn und Pornhub zu verbreiten.

Die Rechnung scheint aufzugehen: Alle reden und schreiben drüber. Die Größe der Communitys spricht für sich: Nach den Analysen des Onlinedienstes Alexa.com ist Pornhub weltweit auf Rang 65 der meistbesuchten Websites, Youporn rangiert an 173. Stelle. Wenn die Vorstöße von J. W. Anderson und Diesel mal nicht erst der Anfang waren. (Anne Feldkamp, 20.1.2016)

  • Grindr, die Datingapp für schwule und bisexuelle Männer
    screenshot: anne feldkamp

    Grindr, die Datingapp für schwule und bisexuelle Männer

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