Bank-Austria-Chef geht mitten im Umbau

18. Jänner 2016, 14:57
218 Postings

Cernko, dessen Vertrag erst im Oktober verlängert wurde, übergibt den Vorstandsvorsitz an Robert Zadrazil

Wien – Willibald Cernko gibt die Funktion als Vorstandsvorsitzender der Bank Austria ab. Mit 1. März wird Robert Zadrazil (45) die Funktion übernehmen, teilte die Bank am Montag in einer Aussendung mit. Cernko werde die Agenden des Vorstandsvorsitzenden bis 29. Februar weiterführen, damit sei eine geordnete Übergabe sichergestellt.

Zadrazil, der seit 2001 für die Bank Austria tätig ist, wird nach Angaben eines Bank-Sprechers in seiner neuen Rolle für drei Jahre bestellt. Die überraschende Ablöse Cernkos sei einvernehmlich erfolgt, sagte der Bank-Sprecher. An der Strategie und am angekündigten Umbau des Instituts werde nicht gerüttelt.

Die zum italienischen Finanzriesen Unicredit gehörende Bank steht im Mittelpunkt eines drastischen Sparkurses. Anstelle des im Laufe des Vorjahrs diskutierten Verkaufs des Privatkundengeschäftes wird es schmerzhafte Einschnitte geben. Die Bank Austria will in den nächsten drei Jahren 70 ihrer 190 Filialen in Österreich schließen. Jetzt sei "der optimale Zeitpunkt für den Generationenwechsel gekommen", sagte Aufsichtsratschef Erich Hampel.

Cernkos Vertrag erst im Oktober verlängert

Cernko war seit 2009 Vorstandsvorsitzender, erst im Oktober war sein Vertrag verlängert worden. Sein Nachfolger Zadrazil ist seit 2001 für die Bank Austria tätig, ab 2006 gehörte er als Chief Operating Officer dem Vorstand der Bank Austria an. Seit August 2007 war er zusätzlich für die Global Banking Services in Mittel- und Osteuropa verantwortlich. Im Mai 2009 übernahm er die Position des Vorstandsvorsitzenden der Schoellerbank AG. Seit September 2011 führt Zadrazil als Vorstand die Division Private Banking der Bank Austria. Der gebürtige Wiener ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Kampf um Filialsanierung

Dass die Bank Austria heuer ihre von Wien aus gemanagten Ostbankbeteiligungen an die Konzernmutter abgeben muss, war keine besondere Überraschung. Damit verliert sie ihren wichtigsten Ertragsbringer, es kostet sie auch den Status als größte Bank Österreichs. Ins Mark getroffen hatte Manager und Mitarbeiter allerdings, dass die Unicredit vergangenes Jahr das gesamte österreichische Privatkundengeschäft (Filialsparte) zur Disposition stellte: Verkauf oder dramatischer Rückbau stand zur Wahl.

Ein Verkauf konnte abgewehrt werden, für die Schließungswelle in der verlustbringenden Filialsparte und die Umsetzung weiterer Kostenschnitte (Dienstrecht) sollten jetzt die Detailverhandlungen beginnen. Cernko hatte offen eine Sanierung der Filialsparte aus eigener Kraft favorisiert. Für den Fall, dass die Bank ihr breites heimisches Privatkundengeschäft mit ein paar tausend Beschäftigten hätte aufgeben müssen, hatten Eingeweihte jedenfalls mit Cernkos Rücktritt gerechnet.

Unerwartete Demission

Dass am Montag dennoch Cernkos Abgang und gleich auch dessen Nachfolger bekanntgegeben wurde, kam für viele unerwartet. Wenngleich er selbst nach den Entscheidungen zu den Einsparungen in einem ORF-Radiointerview vor wenigen Wochen eingeräumt hatte, sich "selbstverständlich ... immer die Frage zu stellen, ist das was, was man persönlich mit vollem Herzblut unterstützen könnte".

Bei der Unicredit und ihren Aktionären soll es überhaupt größer rumoren. Von Personalspekulationen blieb auch die Bankspitze nicht verschont. Erst vor einer Woche spekulierten die "Financial Times" und die der "Corriere della Sera", dass der Sessel von Unicredit-Chef Federico Ghizzoni wackle. Der Aufsichtsrat dementierte das ebenso wie angebliche Investorenzweifel an dem im November vorgestellten Entwicklungsplans Ghizzonis, der 18.000 Jobs kosten wird. (APA,Reuters, red, 18.1.2016)

  • Willibald Cernko war seit 2009 Vorstandsvorsitzender der Bank Austria. Im Oktober war sein Vertrag wieder verlängert worden.
    foto: apa/jäger

    Willibald Cernko war seit 2009 Vorstandsvorsitzender der Bank Austria. Im Oktober war sein Vertrag wieder verlängert worden.

  • Robert Zadrazil übernimmt den Vorsitz (Archivbild aus dem Jahr 2012).
    foto: standard/christian fischer

    Robert Zadrazil übernimmt den Vorsitz (Archivbild aus dem Jahr 2012).

Share if you care.