Förderstaaten müssen wegen Ölpreisverfalls auf ihr Tafelsilber zugreifen

18. Jänner 2016, 14:38
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Die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran verstärkt das Überangebot am Ölmarkt. Der Einbruch der Ölpreise zwingt die Förderstaaten zum Verkauf von Vermögenswerten

New York / Wien / London – Der anhaltende Ölpreisverfall zwingt die Förderstaaten nach Einschätzung von JPMorgan zu massiven Verkäufen ihres Tafelsilbers. Zur Stabilisierung ihrer Haushalte würden die Länder im laufenden Jahr weltweit Vermögenswerte für insgesamt 240 Milliarden Dollar auf den Markt werfen, prognostizierte die US-Bank am Montag. Größtenteils werde es sich dabei um Aktien und Anleihen handeln. Demnach würden Währungsreserven abgebaut und die Anlagen von Staatsfonds reduziert.

Zusammen müssten die ölfördernden Staaten ein Etatloch von 260 Milliarden Dollar stopfen. Nach Erhebung von JPMorgan hatten die betroffenen Länder im vergangenen Jahr, als der Preisrückgang bereits Fahrt aufnahm, Vermögenswerte im Umfang von 70 Milliarden Dollar losgeschlagen.

Talfahrt der Ölpreise

Nach der Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran hat sich die Talfahrt der Ölpreise fortgesetzt. In der Nacht auf Montag erreichte der Preis für Nordseeöl mit 27,70 Dollar (25,4 Euro) pro Barrel (159 Liter) und der Preis für US-Öl mit 28,36 Dollar den tiefsten Stand seit mehr als zwölf Jahren. Damit sind die beiden wichtigsten Ölpreise für die Weltwirtschaft seit Jahresbeginn um etwa ein Viertel eingebrochen.

Im Vormittagshandel wurde zwar ein kleiner Teil der frühen Verluste wieder ausgeglichen, zuletzt kostete ein Fass Brent mit Lieferung im März aber nur 28,52 Dollar und damit 42 Cent weniger als am Freitag. Ein Fass der US-Sorte WTI zur Lieferung im Februar verbilligte sich um 38 Cent auf 29,04 Dollar.

Zum Wochenauftakt kommt der entscheidende Impuls für den Handel auf dem Ölmarkt durch das Ende der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran. Wegen der deutlichen Verringerung seines Atomprogramms hat das Opec-Mitgliedsland den Weg für ein Ende der Wirtschaftssanktionen freigemacht. Mit der Aufhebung der Sanktionen darf der Iran wieder Öl und Gas in die EU exportieren. Für den Markt hat das große Bedeutung, weil der Iran bereits angekündigt hat, seine Rohölausfuhren um etwa 500.000 Barrel pro Tag hochzufahren.

Zu hohes Angebot

Schon jetzt belastet ein Überangebot die Ölpreise, vor allem die Opec hat dazu beigetragen. Saudi-Arabien verfolgt als führendes Opec-Mitglied die Strategie, Marktanteile zu verteidigen und Konkurrenten in den USA und Russland durch immer niedrigere Ölpreise aus dem Markt zu drängen.

"Momentan fördert die Opec gut eine Million Barrel pro Tag mehr Rohöl, als vom Markt benötigt wird", schätzte Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank. Außerdem verschärfen die Schieferölproduktion in den USA und die Ausweitung der russischen Fördermenge auf das höchste Niveau seit dem Ende der Sowjetunion die Lage.

Zuletzt hatte auch die Furcht der Anleger vor einem Abflauen der chinesischen Konjunktur die Ölpreise belastet. Nach einer Reihe schwacher Wirtschaftsdaten und heftiger Turbulenzen an den chinesischen Börsen habe sich die Sorge vor einer schwächeren Rohölnachfrage verstärkt, sagte Weinberg. "China war in den vergangenen Jahren immerhin für etwa ein Drittel des Anstiegs der weltweiten Ölnachfrage verantwortlich."

Der Preis für Opec-Rohöl fällt ebenfalls immer weiter. Am Montag teilte das Opec-Sekretariat mit, dass der Korbpreis am Freitag 24,74 Dollar pro Barrel betragen habe. Das waren 26 Cent weniger als am Vortag. Opec-Rohöl ist damit ebenfalls so günstig wie seit mehr als zwölf Jahren nicht mehr. Die Opec berechnet ihren Korbpreis auf Basis der zwölf wichtigsten Sorten des Kartells. (APA, 18.1.2016)

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