Iran rechnet mit Milliardendeals

17. Jänner 2016, 17:47
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Airbus, Shell und Total planen Investitionen

Mit dem Ende der Sanktionen wird ein starker Wirtschaftsaufschwung im Iran erwartet. Dieser wird getragen vom dringend notwendigen Wiederaufbau, häufig bei der Infrastruktur. Auch die Nachfrage nach Konsumgütern dürfte stark ansteigen.

Ein fünfprozentiges Wirtschaftswachstum erwartet der iranische Präsident Hassan Rohani mit dem Ende der Sanktionen. Auch wenn bei dem nun erwarteten Aufschwung das Thema "Ölförderung" zentral ist, ist es doch der notwendige Aufbau nach der langen Sanktionszeit, der von vielen westlichen Firmen als zentrale neue Geschäftshoffnung angesehen wird.

Als ein erster Schritt macht die Aufhebung der Sanktionen den Weg frei, die Nachfrage der Iraner nach Konsumgütern zu bedienen, an die sie bisher nur mit Mühen gelangen konnten.

Die Bevölkerungsexplosion im Iran, die fortschreitende Urbanisierung mit über 60 Prozent Stadtbevölkerung und das junge Durchschnittsalter von unter 30 Jahren ist eine gute Voraussetzung dafür, dass es zu einer steigenden Nachfrage kommt. Laut Wirtschaftskammer (WKO) litt der Iran auch bei Konsumgütern massiv unter den Sanktionen. Zwar war der Bereich der Premium-Konsumgüter nie so stark betroffen wie andere Güter. Exklusive westliche Marken gelangten trotz hoher Importsätze weiterhin in den Iran und fanden dort Käufer – trotz exorbitant hoher Preise. Der sich bereits in den vergangenen Jahren entwickelnde Nischenmarkt für Luxusmarken und High-End-Konsumgüter könne nun massentauglich werden, heißt es vonseiten der WKO. Lifestylemarken hätten im Iran eine besonders wichtige soziale Funktion. Bis 2020 sollen laut WKO 300 Shoppingcenter mit hochpreisigen Design- oder Premiumausstellern gebaut werden.

Milliarden an Investitionen

In der Industrie wird praktisch alles benötigt, Flugzeuge ebenso wie Fertigungsmaschinen. Die Elektrifizierung des Landes soll vorangetrieben werden. Die iranische Regierung rechnet mit einem Investitionsbedarf für die Öl- und Gasindustrie von 200 Milliarden US-Dollar (183 Milliarden Euro) bis zum Jahr 2020.

Auf einen Schlag wird das Land mehr Geld haben, um für seine Importe zu bezahlen. Denn die gesperrten Auslandsguthaben werden freigegeben. Die Angaben zur Höhe der bisher eingefrorenen Gelder schwanken zwischen 29 und 100 Milliarden US-Dollar.

Auslandsinvestitionen sollen erleichtert werden, sagte Präsident Rohani am Sonntag vor dem Parlament. In den nächsten fünf Jahren wollen 30 bis 50 Milliarden Dollar ausländisches Kapital ins Land geholt werden.

Das Handelsvolumen des Iran mit der EU betrug 2014 rund 7,6 Milliarden Euro; vor den Sanktionen war es fast viermal so hoch. (Johanna Ruzicka, 18.1.2016)

  • Präsident Hassan Rohani verkündet die gute Nachricht
    foto: apa/afp/atta kenare

    Präsident Hassan Rohani verkündet die gute Nachricht

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