"Pensionsalter auf 70 Jahre erhöhen"

Interview17. Jänner 2016, 17:59
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Viktor Wagner über überbordende Bürokratie, zu mächtige Landeshauptleute und warum viele Menschen bis 70 arbeiten könnten

STANDARD: Sie engagieren sich beim Wirtschaftsforum der Führungskräfte. Wo sieht diese Gruppe den größten Reformbedarf?

Wagner: Wir haben drei große Brocken, die wir endlich angehen müssen: die Pensionsreform, die Verwaltung und die Reform der Förderungen. Laut Fachleuten geht es hier um mehrere Milliarden Euro, die man einsparen könnte. Was hindert Politiker, es zu tun? Der Einfluss der Landeshauptleute. Sie wollen sich diese Fördermöglichkeit nicht nehmen lassen. Die Hoffnung war und ist, dass der Finanzminister im Zug des Finanzausgleichs die Landeshauptleute zum Sparen zwingt.

STANDARD: Sie wollen das Pensionsalter erhöhen – können die Menschen wirklich so lange arbeiten?

Wagner: In einem ersten Schritt sollte das gesetzliche Antrittsalter auf 67, in weiterer Folge auf 70 erhöht werden – natürlich unter Berücksichtigung gesundheitlicher Beeinträchtigungen. Ein hoher Prozentsatz kann aus meiner Sicht sehr wohl bis 70 arbeiten. Bei uns im Unternehmen ist das Alter eines Mitarbeiters egal – er muss physisch und psychisch in der Lage sein, die Anforderungen der Kunden zu erfüllen. Schon jetzt sind 40 Prozent der Belegschaft älter als 55. Wenn wir bei den Pensionen nichts tun, nähern wir uns der Unfinanzierbarkeit.

STANDARD: Erwarten Sie Impulse von der Steuerreform?

Wagner: Es wird sicher zu Impulsen kommen, weil sich das Nettoeinkommen vergrößert. Aber wir brauchen uns nichts vormachen: Diese Steuerreform kann nur der Anfang einer wirklichen Steuerreform sein. Die Steuersätze müssen sinken, damit Österreich wieder für betriebsansiedelnde Firmen interessant wird. Wir waren im Standortranking mal auf Platz elf, jetzt sind wir Nummer 27. Auch die überbordende Bürokratie muss entschlackt werden: Es gibt allein über 1000 Arbeitnehmerschutzbestimmungen, das ist nahezu nicht mehr administrierbar.

STANDARD: Ihr Unternehmen schreibt gute Gewinne und ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Kann der Standort da wirklich so schlecht sein?

Wagner: Vielen Mitbewerbern geht es aber nicht gut. Es gab eine Reihe von Firmenschließungen im Jahr 2015. (Günther Oswald, 17.1.2016)

Viktor Wagner (69) ist Chef des Reinigungsunternehmens Reiwag, das in Österreich und in Osteuropa aktiv ist und rund 3.000 Mitarbeiter beschäftigt. Beim Wirtschaftsforum der Führungskräfte ist er Chef der Wiener Landesgruppe.

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    foto: ho
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