Zukunftsforscher: "Touristiker lügen sich in die Tasche"

17. Jänner 2016, 17:51
posten

Hoteliers küren Michaela Reitterer zu Alleinpräsidentin

Wien / Zell am See – Kommt er, kommt er nicht? Es ist nicht der erste Winter und sicher nicht der letzte, bei dem auf die Frage nach dem Schnee irgendwer irgendwo zur Antwort gibt: Der Schnee ist noch immer gekommen.

Am Sonntag zum Auftakt des Jahreskongresses der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) in Zell am See war das auch tatsächlich der Fall: Es schneite aus allen Wolken, und die Wienerin Michaela Reitterer, die nach drei Jahren gemeinsamer Präsidentschaft mit dem Vorarlberger Gregor Hoch zur Alleinpräsidentin der ÖHV bestimmt wurde, zeigte sich hocherfreut. Es gibt aber auch kritische Stimmen, was den Winter betrifft. Eine ist die des Zukunftsforschers Andreas Reiter.

Mehr apere Winter

Zwar sei es richtig, dass der Schnee noch immer gekommen sei. "Aber es häufen sich die Jahre, wo es um Weihnachten und zum Teil noch weit in den Jänner hinein apere Wiesen gibt", sagte Reiter. "Die Touristiker lügen sich in die eigene Tasche, wenn sie glauben, mit ein bisschen Kosmetik wird das schon wieder. Es gibt einen Paradigmenwechsel."

Nicht nur der Klimawandel setze dem Wintertourismus im Alpenbogen zu. Es sei das geänderte Freizeitverhalten der Jugend, das sich immer deutlicher abzeichne und den gewohnten alpinen Wintertourismus infrage stelle. Für die Jugend von heute sei Skifahren nicht mehr das zentrale Ding wie für die Generation davor. "Es gibt so viele coole Alternativen, dass sich auch viele Einheimische das Skifahren nicht mehr antun. Und die wachsende Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund in Ballungsräumen wie Wien hat gar keinen Bezug zum Skilauf", sagte Reiter. Sein Fazit: "Der Winter muss neu gedacht werden."

Vorbild Davos

Ein gutes Beispiel sei Davos. "Das war einmal ein weltberühmter Kurort, bis das Penicillin erfunden und die Tuberkulose besiegt wurde. Davos musste sich neu orientieren. Jetzt ist das ein weltberühmter Tagungsort", sagte Reiter. Tourismusdestinationen in niedrigen bis mittleren Lagen seien gut beraten, etwas abseits des bisher Praktizierten zu versuchen. Sie könnten Outdoor-Angebote, mit denen sie im Sommer punkten, auf die Wintermonate ausdehnen, etwa Downhill-Fahrradparcours, Laufstrecken mit Hindernissen, jedenfalls etwas mit Adrenalin. Hoch gelegene Skiorte wie Sölden, Ischgl oder die Arlberg-Region seien, wiewohl vom Klimawandel weniger betroffen, schon sehr innovativ. (Günther Strobl, 18.1.2016)

  • Steht der ÖHV nunmehr allein vor: Michaela Reitterer
    foto: apa / georg hochmuth

    Steht der ÖHV nunmehr allein vor: Michaela Reitterer

Share if you care.