Frankreich: Teilnehmer nach Medikamententest für tot erklärt

17. Jänner 2016, 16:16
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Bei drei weiteren Teilnehmern einer Studie zu einem neuen Wirkstoff werden dauerhafte Hirnschäden befüchtet

Rennes – Nach dem fehlgeschlagenen Medikamententest ist in Frankreich einer der Teilnehmer für tot erklärt worden. Es handle sich um den Mann, der schon seit Tagen hirntot gewesen sei, teilte das Krankenhaus in Rennes am Sonntag mit. Der Zustand der anderen fünf in der Klinik behandelten Studienteilnehmer sei stabil.

Die sechs Patienten im Alter zwischen 28 und 49 Jahren waren in den vergangenen Tagen ins Krankenhaus eingeliefert worden, der erste von ihnen vor einer Woche. Die Behörden versuchten unterdessen weiter herauszufinden, warum es zu dem Unglück gekommen ist.

Dauerhafte Hirnschäden bei drei Patienten befürchtet

Vier der fünf anderen Patienten weisen laut den Ärzten neurologische Probleme auf, bei drei werden dauerhafte Schäden befürchtet. Ein weiterer Patient zeigte bisher keine Symptome, stand aber weiter unter Beobachtung.

84 weitere Personen, die das Medikament in dem Test eingenommen hatten, wurden nach Angaben des Krankenhauses kontaktiert. Zehn von ihnen wurden untersucht, dabei aber keine Auffälligkeiten festgestellt.

Behörden suchen nach Ursache

Die Ermittlungen der Behörden sollen klären, ob es einen Fehler im Testablauf gab oder das Problem beim Medikament selbst liegt, das Stimmungsschwankungen und Angstzustände lindern soll. Nach Beschlagnahmungen durch die Kriminalpolizei im Labor des Unternehmens Biotrial in Rennes schaltete sich am Wochenende auch die Behörde für Medikamentensicherheit in die Ermittlungen ein.

Biotrial-Chef Francois Peaucelle versicherte, dass das Labor mit den Ermittlern zusammenarbeite. Vertreter des portugiesischen Pharmakonzerns Bial, der den Wirkstoff entwickelt hat, seien ebenfalls anwesend und würden sich mit "vollständiger Transparenz" an den Ermittlungen beteiligen.

Internationale Standards befolgt

Bial hat versichert, bei der Entwicklung des Medikaments die internationalen Standards befolgt zu haben. Insgesamt sollten an der Studie 128 gesunde Probanden zwischen 18 und 55 Jahren teilnehmen, von denen 90 den Wirkstoff in verschiedenen Dosen einnahmen. Dann aber traten bei mehreren Teilnehmern dramatische Gesundheitsprobleme auf. Zu diesem Zeitpunkt sei die maximal vorgesehene Dosierung "noch längst nicht erreicht" gewesen, sagte Peaucelle.

Probanden werden für ihre Teilnahme an Medikamententests grundsätzlich bezahlt. Imn diesem Fall erhielten sie laut Peaucelle gut tausend Euro pro Woche. Der Wirkstoff des Medikaments soll Gesundheitsministerin Marisol Touraine zufolge auf Stimmungsschwankungen und Angstgefühle sowie auf motorische Störungen bei neurodegenerativen Erkrankungen abzielen. Neurodegenerative Erkrankungen sind meist langsam fortschreitende Erkrankungen des Nervensystems, bei denen immer mehr Nervenzellen verlorengehen, etwa bei Parkinson. Der Hersteller selbst sprach von einem Wirkstoff im "Schmerzbereich". (APA, dpa, 17.1.2016)

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