Kalliauer: "Bin jetzt sicher nicht der große rote Wunderwuzzi"

Interview17. Jänner 2016, 14:12
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Der neue Landeschef Johann Kalliauer sieht die SPÖ in Oberösterreich zwar im "Trainingsrückstand", aber bereit für den Aufstieg

STANDARD: Kurz vor Weihnachten haben Sie angekündigt, nicht mehr als Vizeparteichef zu kandidieren und sich auch aus dem Präsidium zurückzuziehen. Es brauche eine jüngere Garde, die dazu beitrage, "dass die Partei wieder in die Gänge kommt". Jetzt sind Sie mit 62 neuer SPÖ-Chef geworden. Eine Verjüngung sieht anders aus, oder?

Kalliauer: An meiner Planung hat sich nichts geändert. Es hat sich nur eine Ausnahmesituation ergeben durch die Entwicklung in der Partei. Und wenn in dieser Situation das Präsidium sagt "Hallo, wir brauchen wen" und man glaubt, ich soll das machen, dann kann ich nicht einfach ablehnen. Das ist eine Frage der Verantwortung.

STANDARD: Nach Josef Ackerl 2009 muss mit Ihnen erneut ein Urgestein Krisenfeuerwehr spielen. Vielleicht gibt es ja die jüngere Garde in der SPÖ Oberösterreich gar nicht, oder?

Kalliauer: Ich glaube schon, dass es bei uns eine Reihe von guten jungen Leuten gibt. Die Frage ist, ob man die zu einem Team formen kann, das auch die Akzeptanz hat. Das wird mein Job in den nächsten Monaten sein.

STANDARD: Wie würden Sie den aktuellen Zustand der Partei beschreiben?

Kalliauer: Die Wahlniederlage hat einiges an Irritation hinterlassen, und die Diskussion nach den Ursachen hat uns eine Zeitlang gelähmt. Um es mit dem Fußball zu vergleichen: Vielleicht haben wir ein bisschen einen Trainingsrückstand.

STANDARD: De facto ist doch die Ersatzbank leer, die Verteidigung nicht vorhanden und die Sturmspitze, Sie verzeihen, reif für den Senioren-Cup. Da ist doch im Moment wahrscheinlich jede Schülerliga stärker, oder?

Kalliauer: Sicher nicht. Wir sind jederzeit in der Lage, ein politisches Match aufzunehmen. Ich schaue auch nicht so pessimistisch auf die rote Ersatzbank. Aber: Es sitzen vor allem einige auf der Zuschauertribüne, die durchaus in der Lage wären, aktiv mitzuspielen, aber im Moment halt nicht wollen. Das ist unser Problem.

STANDARD: Sie haben angekündigt, maximal ein Jahr bleiben zu wollen und in dieser Zeit die Partei neu aufzustellen. Selbiges haben seit 2009 bereits zwei Parteichefs versucht, beide Male ist es schiefgegangen. Warum soll es jetzt gelingen?

Kalliauer: Bei dem Projekt "Morgenrot" sind wir irgendwann einmal steckengeblieben. Doch jeder dieser Versuche, die Partei auf neue Beine zu stellen, hat eben auch positive Seiten. Bei "Morgenrot" haben sich etwa viele engagierte Funktionäre hervorgetan, die inzwischen Verantwortung in den Kommunen übernommen haben. Aber natürlich muss man ehrlich sein: Der große Wurf ist in den letzten Jahren nicht gelungen.

STANDARD: Und jetzt wird mit Ihnen alles wieder gut?

Kalliauer: Ich bin jetzt sicher nicht der große rote Wunderwuzzi. Aber wir haben jetzt ganz andere Voraussetzungen: Der Ernst der Lage wurde spätestens mit der Wahlniederlage erkannt.

STANDARD: Wäre ein Obmannwechsel nach der Wahlniederlage Ende September eleganter gewesen?

Kalliauer: Was hätte es gebracht? Es stand ja im September auch kein passender Nachfolger in den Startlöchern. Quasi gleich mit dem Messer in der Hand, um den Reini Entholzer zu killen.

STANDARD: Aber die massive Kritik an der Parteiführung gab es doch schon lange vor dem Wahltag. Man hat sie nur ignoriert.

Kalliauer: Ja, es stimmt, da ist sicher einiges nicht optimal gelaufen. Aber der Wille, alles in geregelte Bahnen zu bringen, war da.

STANDARD: Dem Linzer Bürgermeister Klaus Luger, der aus Protest gegen eine Personalrochade seine Funktionen zurückgelegt und damit die roten Unruhen ausgelöst hat, hat man am Parteitag parteischädigendes Verhalten vorgeworfen. Sehen Sie das ähnlich?

Kalliauer: Wenn ich jetzt anfange, Ursachen zu analysieren, warum es zu diesem Chaos gekommen ist, dann bleiben wir in dem Fahrwasser. Faktum ist: Ein Neuanfang ohne die Linzer SPÖ ist sinnlos. Es wird daher mit Luger eine Aussprache geben. (Markus Rohrhofer, 17.1.2016)

Johann Kalliauer (62) steht seit 2003 an der Spitze der oberösterreichischen Arbeiterkammer. Der Jurist ist auch ÖGB-Landesvorsitzender und seit Samstag SPÖ-Chef.

  • Der bisherige AK-Präsident in Oberösterreich, Johann Kalliauer, sieht die Landes-SPÖ auch derzeit in der Lage, "ein politisches Match aufzunehmen".
    foto: apa / herbert p. oczeret

    Der bisherige AK-Präsident in Oberösterreich, Johann Kalliauer, sieht die Landes-SPÖ auch derzeit in der Lage, "ein politisches Match aufzunehmen".

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