Tote in Favoriten: Obduktion erhärtet Mordverdacht in einem der zwei Fälle

17. Jänner 2016, 13:33
3 Postings

Obduktion belegte massive Gewalteinwirkung – Bei Leiche des Mannes war Sturz vom Balkon todesursächlich

Wien – Die 72-jährige Wienerin, deren Leiche am Freitagabend in ihrer Wohnung in der Davidgasse in Wien-Favoriten gefunden wurde, ist erschlagen worden. Das hat die gerichtlich angeordnete Obduktion ergeben. "Sie ist an massiver Gewalteinwirkung mit einem stumpfen Gegenstand gestorben, wobei die Schläge gegen den Kopf geführt wurden", sagte Thomas Keiblinger, der Sprecher der Landespolizeidirektion.

Darüber hinaus wurde die Pensionistin mit einer Stichwaffe attackiert. "Der Gerichtsmediziner konnte Stichkanäle am Hals und am Oberkörper nachweisen", teilte Keiblinger am Sonntag auf APA-Anfrage mit. Die Tatortgruppe des Landeskriminalamts arbeite "mit Hochdruck" an der Klärung des Falls, bei dem es sich um einen Raubmord handeln dürfte. Die Wohnung im Anna-Boschek-Hof machte jedenfalls einen durchwühlten Eindruck, ob und welche Gegenstände aus dem Besitz der Frau fehlen, muss noch ermittelt werden.

Keine Bestätigung gab es seitens der Polizei für Medienberichte, denen zufolge unmittelbar vor der Bluttat ein verdächtiger Mann in der in den 1950er-Jahren errichteten Gemeindebau-Anlage wahrgenommen worden sein soll. Der Unbekannte soll sich mit Gratis-Zeitungen in der Anlage herumgetrieben und Wohnungstüren markiert haben, wie es Einbrecher-Banden zu tun pflegen, die damit auf geeignet erscheinende "Zielobjekte" hinweisen. "Es gibt derzeit keine Hinweise auf den oder die Täter", meinte Keiblinger zum aktuellen Ermittlungsstand.

Mordverdacht in Gußriegelstraße vom Tisch

Der Verdächtige, der unter Mordverdacht festgenommen wurde, nachdem der Mieter einer Wohnung in der Gußriegelstraße in Wien-Favoriten Samstag früh tot unter seinem Balkon gefunden wurde, ist am Sonntag enthaftet worden. Nach der Einvernahme des 57-Jährigen geht die Polizei davon aus, dass dieser vermutlich noch gar nicht in der Wohnung war, als der 55 Jahre alte Wohnungsinhaber vom Balkon stürzte.

Der dringende Tatverdacht sei damit vorerst vom Tisch, so Thomas Keiblinger von der Landespolizeidirektion auf APA-Anfrage. Der 57-Jährige, dessen Befragung aufgrund seiner hochgradigen Alkoholisierung zunächst verschoben hatte werden müssen, erklärte den Kriminalisten, er wäre Samstag früh in die Wohnung seines Bekannten gekommen. Beide Männer – gebürtige Russen – kannten einander seit langem und waren gut befreundet.

"In der Wohnung hat er den 55-Jährigen nicht angetroffen, sich daher mit einer mitgebrachten Flasche Wein hingesetzt und über den PC des Wohnungsbesitzers ein Virenprogramm laufen lassen", berichtete Keiblinger. Dass der Mann, den er besuchen wollte, zu diesem Zeitpunkt auf der schmalen Grünfläche unterhalb seines im dritten Stock gelegenen Balkons lag, will der 57-Jährige nicht mitbekommen haben. Er behauptet, davon erst Kenntnis erlangt zu haben, als Polizeibeamte in die Wohnung kamen, deren Tür sich einfach von außen aufdrücken lässt, nachdem Passanten den Toten gefunden hatten.

Wie inzwischen die Obduktion ergeben hat, war "eindeutig" der Sturz todesursächlich, so Keiblinger. Die Leiche wies abgesehen davon keine sonstigen Verletzungen auf, die auf eine tätliche Auseinandersetzung hinweisen würden. In der Wohnung fanden sich auch keine Kampfspuren. Der 57-Jährige, der aus der damaligen Sowjetunion geflüchtet war, danach in Berlin gelebt hatte und sich nun seit längerem in der Bundeshauptstadt befindet, hatte den um zwei Jahre jüngeren Mann zwei bis drei Mal die Woche besucht. Ob dessen Ableben auf einen Unfall zurückzuführen ist, will die Polizei im Zuge weiterer Erhebungen klären. Inwieweit der 55-Jährige alkoholisiert war, steht derzeit noch nicht fest. (APA, 17.1.2016)

Share if you care.