Warum der VPN-Bann Kunden und Netflix selbst schadet

17. Jänner 2016, 10:56
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Netflix in über 190 Ländern verfügbar – das Angebot variiert jedoch stark

Die Ankündigung des populären Streaming-Dienstes Netflix, in Zukunft Nutzer auszusperren, die Länderschranken umgehen, hat für viel Aufregung gesorgt. Das Unternehmen beugt sich damit dem Druck der Film- und Serienproduzenten, die Lizenzen nur für die jeweiligen Länder verhandelt haben. Doch die Maßnahmen schaden nicht nur den Kunden, sondern auch Netflix selbst.

190 Länder mit unterschiedlichen Inhalten

Das Unternehmen bietet seinen Service inzwischen in über 190 Ländern an. Erst Anfang des Jahres kamen 130 neue Ländern hinzu, somit ist Netflix mehr oder weniger global verfügbar. Allerdings unterscheidet sich das Angebot von Land zu Land. So steht beispielsweise "Better Call Saul" nicht in den USA zur Verfügung. Die kommende Staffel von "House of Cards" wiederum wird zunächst nicht in Österreich und Deutschland abrufbar sein.

Globales Angebot dauert noch

Ziel von Netflix ist es, in jedem Land die gleichen Inhalte anbieten zu können. Doch laufende Verträge werden das zumindest in den nächsten Jahren noch nicht ermöglichen. Erst im September sagte Chief Product Officer Neil Hunt im Gespräch mit dem WebStandard, dass es teilweise Deals über sieben oder zehn Jahre gebe, die man nicht so einfach loswerde. In Deutschland und Österreich hat sich Sky etwa gesichert, die aktuellste Staffel von "House of Cards" zunächst exklusiv anbieten zu können.

Netflix geht nicht gegen Piraterie vor, sondern gegen zahlende Kunden, die lediglich das Angebot sehen möchten, das auch Nutzern in anderen Ländern zur Verfügung steht. Problematisch ist das vor allem, da das Angebot in einigen Ländern wesentlich umfangreicher ist, sich jedoch nicht in niedrigeren Gebühren oder anderen Vorteilen widerspiegelt. Für 8 Euro in Österreich erhalten Netflix-Kunden ein anderes Angebot als für 8 US-Dollar in den USA.

VPN-Anbieter geben nicht klein bei

Die Anbieter von VPNs und Proxies, die dank Geoblockings eine reiche Userschar haben, wollen aufgrund der neuen Vorgehensweise des Unternehmens natürlich nicht verlieren. Darf man den Ankündigungen von VPN-Betreibern glauben, wird der Aufwand für Netflix in den kommenden Monaten steigen. Denn sie sollen weiterhin sicherstellen, dass Netflix-User ihre Dienste weiterhin in Anspruch nehmen. Gegenüber "Wired" kündigte Faraz Ali von PureVPN an, dass man innerhalb weniger Wochen Workarounds für die Blockaden anbieten könne. Das Unternehmen werde viel Aufwand und Geld investieren müssen, um sich gegen neu aufkommende Dienste und Workarounds zu wehren, glaubt auch Andrew Lee von Private Internet Access. Es werde zum Katz-und-Maus-Spiel.

Wenn Netflix mit dem Aussperren von VPN-Nutzern erfolgreich ist, könnten die sich entweder anderen Anbietern zuwenden, oder verstärkt illegale Kanäle anzapfen und Filme und Serien über Filesharing-Plattformen beziehen. (br, 17.1.2016)

  • Netflix-CEO Reed Hastings vor Szenen der erfolgreichen Serien "House of Cards" und "Orange is the New Black"
    foto: apa/afp/getty images/ethan mille

    Netflix-CEO Reed Hastings vor Szenen der erfolgreichen Serien "House of Cards" und "Orange is the New Black"

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