IS-Miliz entführte mehr als 400 Zivilisten in Syrien

17. Jänner 2016, 13:21
183 Postings

Bei der Offensive in Deir al-Sor wurden hunderte Menschen getötet – 40 Tote bei Luftangriffen auf Raqqa

Beirut/Deir al-Sor – Die Jihadistengruppe "Islamischer Staat" (IS) hat nach Angaben von Aktivisten mehr als 400 Zivilisten in Syrien entführt. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mitteilte, verschleppten die Jihadisten ihre Opfer aus der ostsyrischen Stadt Deir al-Sor.

In der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz hatte der IS nach Angaben der Beobachtungsstelle zuvor bei einer Offensive mehr als 130 Menschen getötet, darunter mindestens 85 Zivilisten.

Unter den Entführten seien auch Frauen und Kinder, erklärte der Leiter der in Großbritannien ansässigen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. Sie seien aus dem Vorort Al-Baghaliyeh und umliegenden Gebieten entführt und in vom IS kontrollierte Gebiete gebracht worden.

300 Tote

Die Zivilisten seien bei Angriffen des IS in von Regierungstruppen gehaltenen Bezirken der Stadt Deir al-Sor in die Gewalt der Extremisten geraten. Unter ihnen seien Familien von Kämpfern, die aufseiten der syrischen Regierung stünden. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, bei den Kämpfen seien mindestens 300 Menschen getötet worden.

Deir al-Sor liegt rund 450 Kilometer nordöstlich der syrischen Hauptstadt Damaskus. Am Samstag hatte die Beobachtungsstelle mitgeteilt, der IS sei in den Norden von Deir al-Sor vorgerückt und habe den Vorort Al-Baghaliyeh eingenommen. Damit kontrolliere der IS nunmehr 60 Prozent des Großraums Deir al-Sor.

Die Beobachtungsstelle beruft sich auf ein dichtes Netz von Aktivisten in Syrien. Ihre Angaben können wegen der unübersichtlichen Lage in dem Konfliktgebiet von unabhängiger Seite nur schwer überprüft werden.

22 Tonnen Lebensmittel

Die amtliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete ihrerseits, die Regierungstruppen hätten einen IS-Angriff auf Al-Baghaliyeh abgewehrt. Dabei habe der IS "hohe Verluste" erlitten.

Nach Berichten über schlechte Zustände in dem Gebiet hatte ein russisches Transportflugzeug zuletzt 22 Tonnen Lebensmittel und Medizin über Deir al-Sor abgeworfen. Bürgerrechtlern zufolge sind dort mindestens 250.000 Menschen eingeschlossen, der IS verhindert demnach, dass Nahrung und Arzneien auf dem Landweg in die Stadt gebracht werden können.

Tote in Raqqa

Bei Luftangriffen im Osten Syriens sind nach Angaben von Aktivisten rund 40 Zivilisten getötet worden. Die Stadt Raqqa, die Hochburg der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien, sei am Samstag bombardiert worden, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag. Unter den Toten seien auch Kinder.

Die Kampfflugzeuge kamen nach Angaben der Beobachtungsstelle aus einem Gebiet, das von syrischen Regierungstruppen kontrolliert wird. Es sei jedoch unklar, ob es sich um Angriffe der syrischen oder der russischen Luftwaffe gehandelt habe.

Der IS hatte die Stadt Raqqa Anfang 2014 erobert und zur Hauptstadt seines selbst ausgerufenen "Kalifats" ernannt. Russland fliegt seit September Angriffe in Syrien. Dabei werden nach Angaben der Beobachtungsstelle auch immer wieder Zivilisten getötet. Der Westen wirft Moskau vor, mit den Luftangriffen insbesondere Syriens Machthaber Bashar al-Assad an der Macht halten zu wollen. Neben dem IS wurden auch immer wieder gemäßigte Aufständische Ziel russischer Luftangriffe.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hat ihren Sitz in Großbritannien und stützt sich auf ein Netzwerk von Aktivisten und Ärzten in Syrien. Ihre Angaben sind wegen der unübersichtlichen Lage in dem Bürgerkriegsland von unabhängiger Seite kaum überprüfbar.

Den Menschenrechtlern zufolge tötete der Islamische Staat in Syrien in den vergangenen eineinhalb Jahren mehr als 3.700 Zivilisten und über 1.000 Regimekämpfer. (APA, 17.1.2016)

Share if you care.