Giftstoff bedroht europäische Meeressäuger

15. Jänner 2016, 18:39
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Verbotene Chemikalien bauen sich im Meer nur langsam ab – Wale und Delfine sind die Leidtragenden

London/Wien – Sie zählen zu den giftigsten Chemikalien, und obwohl sie in den meisten Ländern seit gut 30 Jahren verboten sind, können sie immer noch im Boden, in der Atmosphäre und in den Meeren nachgewiesen werden: Polychlorierte Biphenyle (PCB). Die PCB-Verschmutzungen in europäischen Gewässern setzen Meeressäugern besonders zu und bedrohen deren Überleben, wie Forscher der Zoological Society London in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts Scientific Reports berichten.

In einer Langzeitstudie über 25 Jahre mit rund 1000 Schweinswalen, Streifendelphinen, Tümmlern und Orcas fanden die Biologen im Fett der letzten drei Spezies die höchsten PCB-Konzentrationen weltweit bei diesen Tieren. Selbst die Durchschnittswerte überschritten die erlaubten Grenzwerte für Säugetiere. Besonders hoch war die Belastung im westlichen Mittelmeer und im Südwesten der Iberischen Halbinsel. Die Autoren der Studie nehmen an, dass diese hohen Konzentrationen für den Rückgang der Meeressäuger verantwortlich sind und auch dafür, dass sich deren Bestände kaum erholen.

Fehlgeburten und hohe Sterblichkeit

Obwohl die heute als krebserregend geltenden PCB, die lange in Kühlmitteln, Weichmachern oder Farben enthalten waren, in den meisten Ländern seit Mitte der 1980er-Jahre verboten sind, bauen sich die Stoffe nur langsam ab. Da die untersuchten Meeressäuger in ihrem Lebensraum an der Spitze der Nahrungskette stehen, kommt es zu einer besonders hohen Konzentration des Giftstoffes in ihrem Fett.

Die Chemikalie schwächt schon in geringen Mengen das Immunsystem der Meeressäuger und beeinträchtigt ihren Fortpflanzungserfolg – durch Fehlgeburten und eine hohe Sterblichkeit der Jungen. Besonderen Schaden verursacht der Giftstoff bei ohnehin schon kleinen Populationen wie den Orcas, die in europäischen Meeren vom Aussterben bedroht sind. "In den westeuropäischen Gewässern gibt es nur mehr wenige Küstenpopulationen von Orcas", sagt Studien-Erstautor Paul Jepson. "Wenn keine Maßnahmen gesetzt werden, werden diese Chemikalien dazu führen, dass die Orca-Bestände in den nächsten Jahrzehnten noch weiter zurückgehen." (Tanja Traxler, 16.1.2016)

  • Orcas sind in westeuropäischen Meeren vom Aussterben bedroht.
    foto: ap / elaine thompson

    Orcas sind in westeuropäischen Meeren vom Aussterben bedroht.

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