Niedriger Ölpreis: OMV drohen massive Abschreibungen

16. Jänner 2016, 09:00
323 Postings

Der Energiekonzern produziert teurer als die Konkurrenz und kalkulierte mit 55 Dollar je Fass Öl

Wien – Bei der OMV läuft es nicht gerade wie geschmiert. Die weitreichenden Russlandpläne des neuen Konzernchefs Rainer Seele samt Vermögenstausch mit der Gazprom wurden ebenso zum Politikum wie der Verkauf eines Anteils an den Gasleitungen (Gas Connect Austria). "Die OMV will entscheidende Infrastruktur verscherbeln", erklärte SPÖ-Klubchef Andreas Schieder kürzlich. Allerdings: Viele Alternativen scheint die OMV nicht zu haben.

Die Talfahrt der Öl- und Gaspreise bei im internationalen Vergleich sehr hohen Förderkosten und eine hohe Verschuldung von sechs Mrd. Euro rächen sich. Der Konzern hat für heuer mit einem Ölpreis von 55 Dollar je Fass kalkuliert, der 2017 auf 70 Dollar steigen soll. Am Freitag kostete das Barrel der Nordseesorte Brent weniger als 30 Dollar.

Hektische Aktivitäten

Der Preisverfall führt zu hektischen Aktivitäten. Im Zuge der Bilanzerstellung werden jetzt alle mit der Förderung zusammenhängenden Assets auf ihre Werthaltigkeit überprüft. Damit wird ziemlich wahrscheinlich, dass die OMV weitere Sonderabschreibungen tätigen muss, denn: Aus internen Dokumenten geht hervor, dass der Konzern für eine wirtschaftliche Produktion einen Ölpreis von 48 Dollar benötigt, während die europäische Konkurrenz (u. a. BP, Shell, Statoil) mit einem Durchschnittswert in der Gegend von 40 Dollar auskommt. Dazu kommt der ebenfalls gesunkene Gaspreis, der die Wirtschaftlichkeit der Investitionen gefährdet. Neben Förderanlagen gilt allein die Beteiligung am Flüssiggasterminal in Rotterdam (samt Vermarktungsverpflichtung) als Kandidat für Wertberichtigungen im dreistelligen Millionenbereich.

Nach den Sonderabschreibungen von einer Milliarde Dollar im dritten Quartal 2015 wird jetzt eifrig gerechnet. Ein OMV-Sprecher erklärt, zu den Vorgängen befragt: "Die Bedeutung des stark gesunkenen Ölpreises für die OMV muss jetzt noch einmal diskutiert werden." Im Oktober hatte Seele noch bemerkt, er rechne mit keinen weiteren Impairments.

Teure Investitionen

Der Deutsche muss nun die teuren Investitionen seines Vorgängers Gerhard Roiss ausbaden. Zuletzt hatte die OMV ihre Investitionskosten auf drei Milliarden Euro im Jahr fast verdoppelt. Was die Situation alles andere als erleichtert, sind hohe Kapitalkosten von 6,5 Prozent, die die OMV den Geldgebern wegen hoher Verschuldung und "riskanterem Portfolio" als der Mitbewerb (so urteilten UBS-Analysten) zahlen muss.

Bis zum dritten Quartal konnte die OMV die dramatische Situation noch dank hoher Raffineriemargen und Gewinn aus der Kunststoffbeteiligung Borealis abfedern. Doch angesichts der Überkapazitäten in der Ölverarbeitung und sinkender Propylenpreise könnten auch diese Gewinnquellen bald weniger stark sprudeln.

Die OMV steuert nicht nur mit Effizienzsteigerung gegen, sondern auch mit niedrigeren Investitionen. Um dennoch bei der eigenen Förderung keine Haare lassen zu müssen, kam die Erschließung des sibirischen Achimow-Feldes Seele sehr gelegen. Die zusätzlichen Gasreserven entsprechen der fünffachen Jahresproduktion der OMV und sind äußerst günstig zu heben. Sollte sich die Politik beim geplanten Tauschgeschäft mit der Gazprom querlegen, hätte der Konzern größte Probleme, bei der eigenen Exploration nicht deutlich zurückzufallen. Bei einem Besuch von Seele und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner in Moskau Anfang Februar, von dem Presse und Kurier berichteten, dürfte Gazprom ein Thema sein.

In engem Zusammenhang mit dem Russland-Geschäft sind die jüngsten personellen Überlegungen an der Führungsspitze der OMV zu sehen. Gleich zweimal soll, nach Standard-Informationen, der Manager Thomas Winkler als möglicher Finanzvorstand im Gespräch gewesen sein. In letzter Sekunde wurde die Rochade (Winkler hätte den jetzigen Finanzchef David Davies beerben sollen) aber abgeblasen. Man habe "kalte Füße" bekommen, weil der politische Widerstand gegen den geplanten OMV-Gazprom-Deal so groß gewesen sei.

Winkler aus dem Rennen

Winkler hätte freilich gut ins Russland-Konzept gepasst. Der ehemalige Sprecher des pleitegegangenen Baukonzerns von Alexander Maculan gilt als enger Freund des Ex-ÖIAG-Aufsichtsratsvorsitzenden Siegfried Wolf. Er war kurzzeitig sogar dessen Stellvertreter in dieser Funktion. Der Name des früheren Lenzing-Finanzvorstands wurde schon in Spekulationen über die Roiss-Nachfolge genannt.

Davies soll skeptisch gegenüber dem Gazprom-Deal sein und habe sich beim geplanten Tausch der Vermögenswerte quergelegt, sagen Insider. Zuletzt gab es Bestrebungen, eine Frau für die Nachfolge zu installieren. Trotzdem soll OMV-Controller Christoph Trentini gut im Rennen liegen. (Andreas Schnauder, Petra Stuiber, 16.1.2016)

  • Die OMV verspürt derzeit Druck von mehreren Seiten. Die Politik torpediert die Pläne mit der russischen Gazprom, der stark gesunkene Ölpreis stellt eine Gefahr für die Wirtschaftlichkeit der Ölförderung dar.
    foto: reuters/foeger

    Die OMV verspürt derzeit Druck von mehreren Seiten. Die Politik torpediert die Pläne mit der russischen Gazprom, der stark gesunkene Ölpreis stellt eine Gefahr für die Wirtschaftlichkeit der Ölförderung dar.

Share if you care.