Russland: Skandal um angeblich verbrannte Bücher von US-Stiftung

15. Jänner 2016, 15:09
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Eine Schulbibliothek soll Bücher aus US-Stiftung verbrannt haben. Behörden bestreiten dies

Moskau – Eine Schule in der russischen Teilrepublik Komi hat angeblich rund 50 Bücher "unerwünschten" Inhalts verbrannt. Die Lehrbücher waren mit Unterstützung der US-amerikanischen Soros-Stiftung für Russland im Zuge des Projekts "Wiederherstellung der humanitären Bildung in Russland" herausgegeben und gespendet worden, berichtete die lokale Nachrichtenseite "7x7". Geisteswissenschaftliche Bücher über Logik, Surrealismus oder auch Kriminalistik seien vernichtet worden.

Regionale Kulturministerin bestreitet

Das Portal veröffentlichte auch ein angebliches Schreiben der regionalen Bildungsministerin. Darin heißt es, die gestiftete Literatur sei "durch Verbrennung vernichtet" worden. Nach Kritik des russischen Kulturministeriums bestreiten Behörden in der Teilrepublik Komi, dass Bücher verbrannt worden sind. Die regionale Kulturministerin Swetlana Moisejewa-Archipowa sagte dem Fernsehsender Doschd am Freitag: "Dieses Dokument mit solch einem Text habe ich nicht unterschrieben."

Vorfall sei ein Skandal

Auch der Direktor der Schule, Sergrey Kravzov, bezog in einem Video, das auf der Seite des russischen Fernsehsenders Doschd veröffentlicht wurde Stellung. Nachdem er die Bücher, um die es sich gehandelt haben soll, demonstrativ in die Kamera hielt, äußerte Kravzov sein Bedauern über den Vorfall: "Ich nenne das einen Skandal. Wozu das alles gemacht wurde, verstehe ich nicht, da die Bücher vor Ort sind."

Die Bibliothekarin der betroffenen Berufsschule in Workuta am Polarkreis erklärte in einem Interview, die Bücher seien bisher nur aus den Regalen entfernt worden, da diese schon seit Jahren nicht mehr ausgeliehen worden sind. Am Vortag hatte sie gesagt, an der Schule habe es nicht nur eine Verbrennung gegeben, sondern dies sei die übliche Prozedur, um "veralteten Buchbestand" abzuschreiben.

"Schlechte historische Assoziationen"

Der russische Kulturminister Wladimir Medinski hatte mit Blick auf Bücherverbrennungen unter den Nazis erklärt, dass diese "schlechte historische Assoziationen" auslösten. Im November 2015 hatte die russische Generalstaatsanwaltschaft alle zu Soros gehörenden Organisationen für unerwünscht erklärt. Mit der Stiftung Open Society hatte der US-Milliardär George Soros seit den 1990er-Jahren Demokratie und Bildung in Osteuropa gefördert. (APA, red, 15.1.2016)

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