Vom Rekordtief 2016 zum Neuflächen-Boom 2018

16. Jänner 2016, 12:00
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Heuer kommen so wenige neue Büroflächen wie seit vielen Jahren nicht auf den Markt. 2018 könnte es allerdings wieder ein enormes Überangebot geben

Der Wiener Büromarkt wird heuer ein Rekordtief an neuen Flächen verzeichnen. Laut jüngst präsentierten Zahlen der großen Maklerhäuser sollen 2016 nur zwischen 30.000 (CBRE) und 80.000 (BAR) Quadratmeter neu auf den Markt kommen, und diese sind zum allergrößten Teil schon lange vorverwertet oder waren überhaupt für Eigennutzer bestimmt.

Bei EHL Immobilien, wo man mit 60.000 m² rechnet, spricht man von einem "Jahrzehnt-Rekordtief" bei den Fertigstellungen. Nachgefragt dürften heuer zumindest rund 200.000 m² werden, erwartet man etwa bei CBRE und bei der BAR. Die Analysten von EHL gehen sogar von 230.000 m² aus.

Vermietungsleistung zurückgegangen

2015 wurden noch doppelt bis dreimal so viele Flächen fertiggestellt, nämlich 130.000 (EHL) bis 196.000 m² (CBRE). Vermietet wurden auch im Vorjahr rund 200.000 m², und damit jedenfalls mehr, als neue Flächen auf den Markt kamen. Die größten Einzelvermietungen waren 2015 die 12.000 Quadratmeter von Ernst & Young und die 10.000 m² von der AustroControl (beide zogen in den IZD Tower), gefolgt von der Akademie der Wissenschaften mit 8.500 m² in der Hollandstraße 11 im zweiten Bezirk sowie vom IHS, das auf 5700 m² im Palais Strozzi einzog.

Gegenüber 2014 ist im Vorjahr die Vermietungsleistung zurückgegangen. Bei CBRE ortet man als Grund dafür die Wien-Wahl vom Oktober. "Die Stadt Wien hat mehr oder minder ausgelassen", resümierte Felix Zekely, Head of Agency bei CBRE Österreich. EHL-Büromarktexpertin Alexandra Ehrenberger formulierte es positiver: Privatunternehmen seien im Vorjahr "deutlich aktiver" gewesen als Unternehmen aus dem öffentlichen Sektor.

2018 droht Überangebot

Die Jahre 2017 und 2018 sollten dann "das Marktgefüge aus Nachfrage und Angebot wieder annähernd ins Gleichgewicht bringen", wie BAR-Geschäftsführer Michael Zöchling hofft. Allerdings: Werden die von seinem Unternehmen für die Jahre 2017 und 2018 erwarteten 135.000 bzw. bis zu 700.000 (!) Quadratmeter an neuen Flächen realisiert, drohe in zwei Jahren wieder ein "veritables Überangebot".

Bei EHL rechnet man schon für 2017 mit mindestens 240.000 m² an Neuflächen – vor allem deshalb, weil man die Fertigstellung des Signa-Projekts "The Icon" am Hauptbahnhof mit 74.000 m² schon 2017 erwartet. Auch das erweiterte Viertel Zwei ("Denk 3"), das Messecarree im 2. Bezirk oder der "Orbi Tower" im Büroviertel TownTown sollten 2017 auf den Markt kommen. Dass sich diese vielen neuen Flächen auch positiv auf die Vermietungsleistung auswirken werden, glaubt jedenfalls CBRE-Experte Zekely: "Angebot schafft Nachfrage."

"Erfolgsstory" DC Tower

Bis dahin sind umzugswillige Unternehmen mit einer Verknappung bei Erstbezugsflächen ab 3000 m² konfrontiert. Die Leerstandsrate dürfte deshalb heuer leicht auf 6,4 Prozent sinken, die Mieten anziehen. Bei der Spitzenmiete erwartet Zöchling ein Überschreiten der 30-Euro-Marke.

Auch der seit Eröffnung 2013 mit Leerstand kämpfende DC Tower sollte heuer zu einer "Erfolgsstory" werden, glaubt man bei der BAR (die den Turm vermarktet und dort auch ihren Sitz hat). Es gebe drei neue Mieter, etwa die Voestalpine, und bis Jahresende sollte sich ein Vermietungsgrad von "knapp unter 90 Prozent" ausgehen, so Zöchling. Damit wäre der Turm auch für Investoren interessant. Fünf bis sechs würden "in den Startlöchern scharren". (Martin Putschögl, Franziska Zoidl, 16.1.2016)

  • Der DC Tower auf der Donauplatte sollte sich heuer einem Vermietungsgrad von 90 Prozent annähern, womit Österreichs höchstes Gebäude (250 Meter bis zur Spitze) für Investoren immer interessanter wird.
    foto: dc towers / michael nagl

    Der DC Tower auf der Donauplatte sollte sich heuer einem Vermietungsgrad von 90 Prozent annähern, womit Österreichs höchstes Gebäude (250 Meter bis zur Spitze) für Investoren immer interessanter wird.

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