Fleischherkunft soll auf die Speisekarte

15. Jänner 2016, 15:05
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Wegen sinkender Preise wird eine EU-Agrarmarktaufsicht gefordert, Österreichs Bauern wollen verpflichtende Herkunftsangaben

Angesichts der angespannten Situation in der europäischen Landwirtschaft mit zu viel Angebot bei stagnierender Nachfrage werden neue Wege sondiert, wie dem Problem beigekommen werden kann. Denn die Preise für die meisten agrarischen Güter, allen voran Milch und Fleisch (und da wiederum Schweinefleisch), sind so weit im Keller wie schon lange nicht.

Zu den fixen Quoten, mit denen die Landwirtschaft in der EU jahrzehntelang reguliert wurde, will auf der Grünen Woche, der weltgrößten Agrarmesse in Berlin, trotzdem niemand zurück. Vielmehr müsse an vielen Schrauben gedreht werden, heißt es:

  • EU-Agrarkommissar Phil Hogan hat eine Taskforce für Agrarmärkte eingerichtet, die untersuchen soll, wie die Position der Bauern als Marktteilnehmer verbessert werden kann. Denn es gebe eine Übermacht der Lebensmittelhandelskonzerne, durch die "bäuerliche Produzenten und Verarbeiter auf dem Markt diskriminiert werden", sagt die ÖVP-Europaabgeordnete Elisabeth Köstinger.

  • Es müsse deshalb eine Agrarmarktaufsicht auf EU-Ebene eingeführt werden, wie es sie bereits für Verkehrs- und Stromnetze gibt.

  • Landwirtschaftskammer-Präsident Hermann Schultes will, dass es in Österreich (lieber wäre ihm: in der ganzen EU) zu weiteren verpflichtenden Herkunftsbezeichnungen bei Fleisch kommt. Vorbild ist die EU-Allergenverordnung. Schultes: "Auf der Speisekarte sollte beispielsweise stehen müssen: 'Wiener Backhuhn, Herkunft Deutschland'." Schultes ist sich sicher, dass dem österreichischen Konsumenten dann eine österreichische Herkunft einen höheren Preis wert wäre.

  • Angedacht werden Vergünstigungen, wenn ein Bauer weniger Milch liefert. Die niederländische Molkerei Friesland Campina ist dazu übergegangen, höhere Preise zu zahlen, wenn ein Bauer weniger anliefert. Das deshalb, weil die Molkerei an Kapazitätsgrenzen gestoßen war. (Johanna Ruzicka, 15.1.2016)

Die Reise zur Grünen Woche erfolgte auf Einladung der Landwirtschaftskammer.

  • In den Restaurants soll die Herkunft noch stärker ausgeschildert werden, fordern die Landwirte.
    foto: ap/gerald herbert

    In den Restaurants soll die Herkunft noch stärker ausgeschildert werden, fordern die Landwirte.

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