Clegg & Guttmann: Exklusives Kammerspiel

21. Jänner 2016, 10:34
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Mit großformatigen Einzel-, Doppel- und Gruppenporträts befragt das Künstlerduo in der Galerie Georg Kargl in Wien die "Modalities of Portraiture"

Es könnten auch die Hauptfiguren einer TV-Serie rund um Kunst, Geld, Leidenschaft und natürlich Intrigen sein. Zumindest ist man beim Rundgang durch die Galerie Georg Kargl versucht, fiese Geschichten zwischen den Porträtierten zusammenzuspinnen. Allerdings sind das "machtbewusste Familienoberhaupt" und die "schöne Tochter" teilweise wirklich verwandt und außerdem ist allen Dargestellten gemeinsam, dass es reale Proponenten des (Wiener) Kunstbetriebs sind.

Von Museumsdirektorinnen über Sammler, deren Kinder und Ehefrauen, bis hin zu Kuratoren und Galeristen reicht das personelle Inventar, das das Künstlerduo Michael Clegg und Martin Guttmann nach allen Regeln der Porträtkunst inszeniert hat: Abgeschaut hat man sich dafür einiges bei den Niederländern Frans Hals und Rembrandt, aber auch bei spanischen und italienischen Meistern, die unter anderem für die Dramatisierung mittels Hell-Dunkel-Kontrasten verantwortlich sind.

Ironische Momente

Zurück in der Gegenwart sind es dann allerdings nicht nur etwas andere Insignien, die Macht repräsentieren; vielmehr dringt bei manchem Porträt auch ein zeitgenössisches Moment in Form von (Selbst-)Ironie durch: Agnes Husslein, Direktorin des Belvedere, wurde etwa mit einem Gemälde Oskar Kokoschkas fotografiert. Sie sitzt auf einem Sessel und verschränkt ihre Hände auf die exakt gleiche Weise, wie es auch die Mutter des Künstlers im Bild tut.

Eine etwas legerere Haltung nimmt dagegen Karola Kraus, die Direktorin des Mumok ein: Im schwarzen Rollkragenpullover sitzt sie neben dem überdimensionalen Stoffpilz der deutschen Künstlerin Cosima von Bonin. Mak-Direktor Thun-Hohenstein posiert hingegen vor einer Vitrine mit verschiedenen Designmustern. Dass die Herren und Frauen Direktoren sich so exponieren, dürfte ihrer Eitelkeit wohl genauso geschuldet sein wie der Überredungskunst der Künstler.

Schließlich haben Clegg & Guttmann ihre Kunst von Anfang an als "sozialkommunikativen Prozess" verstanden: Zu ihrer Arbeit gehören neben der fortlaufenden Reflexion der Porträtkunst etwa auch die Produktion von Social Sculptures oder die öffentliche Installation von Bibliotheksautomaten.

Als eine etwas andere Art von Porträt spielt das Buch bzw. die Bibliothek auch in die aktuelle Präsentation von Clegg & Guttmann Modalities of Portraiture mit hinein. Zum einen als gewichtige Insignie für einige Sammler und Direktoren, zum anderen in Form zweier Fotografien: Die eine der Aufnahmen zeigt eine private, die andere eine jahrhundertealte öffentliche Bibliothek. Den Künstlern geht es darum, aufzuzeigen, dass es sich dabei um Archive der Identitätsbildung eines Individuums respektive einer ganzen Gesellschaft handelt.

Von der bildlichen Intensität her reichen diese Aufnahmen aber kaum heran an die imposanten, sämtliche bourgeoise Posen auch ins Komische treibenden Einzelporträts, Paar- und Familienkonstellationen. Todernst kann man diese schließlich kaum nehmen. Das machen Clegg & Guttmann auch mit ihrer Skulptur Cognitive Exercise III, Continuos Drawing / Exquisite Corps klar – einer spielerischen Annäherung an den Typus Porträt, bei dem man ebenfalls auf das Experimentell-Dekonstruktive und nicht auf das Klassisch-Repräsentative setzt. (Christa Benzer, Album, 16.1.2016)

Georg Kargl Fine Arts, Schleifmühlgasse 5, 1040 Wien, bis 5.3.

  • Im Stile von  Frans Hals  inszenierten  Michael Clegg und  Martin Guttmann 2015 die  kunstsammelnde  Turiner Familie  Sandretto Re Rebaudengo: "Family Portrait".
    foto: paolo properzi / georg kargl fine arts

    Im Stile von Frans Hals inszenierten Michael Clegg und Martin Guttmann 2015 die kunstsammelnde Turiner Familie Sandretto Re Rebaudengo: "Family Portrait".

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