Die erstaunliche Willkommenskultur des Silicon Valley

Gastkommentar21. Jänner 2016, 14:07
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Michael Meyer, Leiter des Instituts für Nonprofit Management an der WU Wien, berichtet ab sofort von seinem Forschungsaufenthalt in Stanford

Stanford ist keine normale Universität, sondern eine Kleinstadt mit Wohnhäusern, Museen, Konzerthallen, Theatern, Restaurants, Sportanlagen, einem Stadion und vielem mehr. Auf mehr als 3300 Hektar – im Vergleich dazu ist der Wiener WU-Campus mit neun Hektar ein Zwergerlgarten – arbeiten nicht nur 16.000 Studierende, sondern aktuell auch 21 Nobelpreisträger in sieben Fakultäten. Insgesamt hat Stanford 30 Nobelpreisträger hervorgebracht und mehr Turing-Preisträger als alle anderen Universitäten. Die Universität hat mit 4:1 eine Student-Faculty-Relation, von der man bei uns nicht einmal träumen darf. Mit einem jährlichen Budget von 5,5 Mrd. Dollar und einem Endowment von über 22 Mrd. Dollar zählt Stanford zu den reichsten Universitäten der USA und der Welt, überflügelt nur von den ewigen Rivalen an der Ostküste, Harvard und Yale.

Ein Magnet, das alle anzieht

Die "Leland Stanford Junior University" ist aber auch der Wachstumsmotor schlechthin für den dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt, das Silicon Valley. Die Gründer von Google, Yahoo, Cisco und Hewlett-Packard sind Absolventen und siedelten ihre Unternehmen in unmittelbarer Nachbarschaft zur Universität an. Apple und Facebook haben hier ihren Firmensitz.

Das Valley ist ein Magnet für Innovatoren und Entrepreneure aus der ganzen Welt. Diese Gegend im Süden San Franciscos, die die Counties Santa Clara und San Mateo sowie einige weitere Städte südlich und östlich der San Francisco Bay umfasst, ist einzigartig. Mehr als ein Drittel der Bewohner sind im Ausland geboren, und das Silicon Valley hat mit 2,5 Prozent einen der geringsten Anteile an Afroamerikanern in den ganzen USA. 31 Prozent Asiaten und 26 Prozent Hispanos sorgen dennoch für ethnische Buntheit. Für knapp drei Millionen Einwohner gibt es 1,5 Millionen Jobs mit einem Durchschnittsverdienst von sagenhaften 100.000 Dollar jährlich und einem Median-Haushaltseinkommen von immerhin 70.000 Dollar. Die Region ist sehr jung, mehr als die Hälfte der Einwohner ist jünger als 40, und der Akademikeranteil beträgt fast 50 Prozent.

Ungewohnte Freundlichkeit,...

Was grantelnde Österreicher immer auf Neue überrascht in den USA und was hier in Kalifornien besonders hervorsticht, das ist die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen und Organisationen gegenüber Gästen und Fremden. Stanford beeindruckt seine 1800 Gastwissenschafter mit einem professionellen, aber auch herzlichen Welcome-Management bis hin zu einem reichhaltigen Veranstaltungs- und Bildungsangebot für die mitreisenden Angehörigen. Am Wohnort freuen sich die Nachbarn aufrichtig, dass man jetzt einige Monate in ihrer Gegend wohnen wird.

Die öffentlichen Schulen zeigen künftigen Schülern aus der ganzen Welt schon beim ersten Kontakt, wie froh sie darüber sind, dass da jemand ein paar Monate bei ihnen lernen will.

... auch in den Schulen

Die Schulen sind überhaupt bemerkenswert im positiven Sinn: Da gibt es gut funktionierendes Schulmanagement, auch eine kleinere öffentliche Schule mit ca. 500 Schülern hat dazu an die zehn Personen beschäftigt, von der klassischen Verwaltung bis hin zur psychologischen Beratung. Da werden die Neueintretenden nicht nur freundlich empfangen, sondern auch getestet und bei der Auswahl der Fächer beraten.

Am ersten Schultag wird ihnen ein Buddy zur Seite gestellt, wodurch sich die Angst, in der Fremde keine Freunde zu finden, schnell verflüchtigt. Zur Schule gibt es noch manch Erstaunliches zu berichten, was den in Europa gepflegten abschätzigen Vorurteilen gegenüber dem US-Schulsystem zuwiderläuft.

Das mag freilich daran liegen, dass man sich in einer der wohlhabendsten und teuersten Regionen der Welt befindet. Und dass man sofort bei der Aufnahme der Kinder darüber informiert wird, welche Spende man sich pro Schüler und Jahr erwartet: tausend Dollar – oder mehr. (Michael Meyer, 21.1.2016)

Zur Person:

Michael Meyer leitet das Institut für Nonprofit Management an der WU Wien und schreibt ab jetzt exklusiv für den STANDARD von seinem Forschungsaufenthalt in Stanford.

  • Der Campus der Uni Stanford von oben: 16.000 Studierende und 21 Nobelpreisträger zählt die Hochschule aktuell.
    foto: beck diefenbach / reuters

    Der Campus der Uni Stanford von oben: 16.000 Studierende und 21 Nobelpreisträger zählt die Hochschule aktuell.

  • Michael Meyer ist dabei einer der 1800 Gastwissenschafter und berichtet ab sofort exklusiv für den Standard über das Leben und Arbeiten im Valley.
    foto: basil stüchele

    Michael Meyer ist dabei einer der 1800 Gastwissenschafter und berichtet ab sofort exklusiv für den Standard über das Leben und Arbeiten im Valley.

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    foto: beck diefenbach / reuters
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