Asfinag "will und wird" den Lobautunnel bauen

15. Jänner 2016, 16:16
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Projektbetreiber nennt Alternativen für den Lückenschluss der S1 bei Wien "verkehrliche Katastrophe" – Grüne wollen erneut Varianten prüfen

Wien – Irgendwann soll sie den Regionenring um Wien vervollständigen. Derzeit ist die S1, offiziell Wiener Außenring Schnellstraße, aber noch Stückwerk. Zwei unverbundene Straßen tragen diese Bezeichnung, eine 24 Kilometer lange nördlich von Wien zwischen Korneuburg und der Stadtgrenze bei Süßenbrunn, eine 16 Kilometer lange südlich der Stadt zwischen Vösendorf und dem A4-Knoten Schwechat. Die beiden zusammenzuführen ist in den vergangenen Jahren längst vom verkehrsplanerischen zum politischen Akt geworden; denn die vom Projektbetreiber Asfinag bevorzugte Verbindung zwischen Süßenbrunn und Schwechat führt geradewegs durch den Nationalpark Donauauen.

Die Lobau, das ist jener Teil des Nationalparks, der auf Wiener Stadtgebiet liegt, soll samt der Donau auf einer Länge von neun Kilometern und in einer Tiefe von bis zu 60 Metern untertunnelt werden.

Der Regionenring soll im Osten durch die S1 geschlossen werden. Dafür ist aber noch politischer Konsens nötig.

Diese Variante des Lückenschlusses wünscht sich neben der Asfinag auch die städtische SPÖ. Der grüne Koalitionspartner und Bürgerinitiativen wollen hingegen eine Umfahrung der Lobau per Verlängerung der Donauuferautobahn (A22) und einer sechsten Donaubrücke zum Knoten Schwechat, weil sie befürchten, dass die Abgase aus dem Tunnel das Naturschutzgebiet schädigen und der Tiefbau den Grundwasserspiegel empfindlich stören könnte.

Zurück zu Punkt null

Eine nach sechs Jahren im vergangenen Frühjahr positiv beschiedene Umweltverträglichkeitsprüfung kam allerdings zu dem Schluss, dass Errichtung und Betrieb der zwei Tunnelröhren das Gebiet nicht nachhaltig beeinträchtigen würden. Die Gegner meldeten Einspruch an, seither liegt die Sache beim Bundesverwaltungsgericht (BVwG). Das Berufungsverfahren könnte noch 2016 abgeschlossen werden, und Alexander Walcher, Geschäftsführer von Asfinag Bau Management, war bei einem Pressetermin am Freitag zuversichtlich, dass das UVP-Ergebnis auch diese zweite Instanz übersteht.

grafik: apa/asfinag

Alle denkbaren Alternativen seien kontraproduktiv und eine "verkehrliche Katastrophe", sagte Walcher. Man habe 20 Varianten geprüft und nur der Tunnel würde die notorisch verstopfte Südosttangente (A23) entlasten. "Wir wollen und wir werden bauen", sagte Walcher. Jeder andere Entschluss würde die Planung um zehn Jahre zurückwerfen und neuerlich Kosten in der Höhe von 20 bis 40 Millionen Euro verursachen. "Wir wären wieder bei Punkt null, das muss allen Entscheidungsträgern klar sein", so Walcher. Nach derzeitigen Plänen sei die Finanzierung des 1,9 Milliarden Euro teuren und laut Walcher "wohl wichtigsten österreichischen" Verkehrsprojekts jedenfalls durch Mauterlöse gesichert. 1,4 Milliarden davon wird allein der Tunnel schlucken.

Erdbebensicher und unabhängig von VW

Die Grünen seien noch nie mit ihren Wünschen direkt an die Asfinag herangetreten – man habe nur aus Medienberichten davon erfahren, sagte Walcher. Neue Gegenargumente hätten ihn überrascht – etwa dass Abgaswerte wegen des VW-Skandals angefochten werden. Man messe bereits seit Jahrzehnten selbst auf der Straße und verlasse sich nicht auf die Daten der Autoproduzenten. Der Plan sei zudem erdbebensicher und belaste das Grundwasser nicht.

asfinag

Der Bau des nördlichen Abschnitts von Süßenbrunn nach Groß-Enzersdorf könnte 2017 beginnen und 2019 fertiggestellt werden, der südliche, zu dem auch der Tunnel gehört, sei zwischen 2018 und 2025 realisierbar, heißt es aus der Asfinag. Dafür fehlen neben der Bestätigung der Umweltverträglichkeit durch das BVwG noch zwei Details: der Erwerb der betroffenen Grundstücke von den Eigentümern – das müsse im Extremfall durch Enteignungen und Reparationszahlungen geschehen – und die politische Einigung. Doch die scheint derzeit weit entfernt: Rüdiger Maresch, der Verkehrssprecher der Wiener Grünen, kündigte am Freitag eine neuerliche Auseinandersetzung mit Alternativen "in den kommenden Monaten" an: "Wir Grüne halten das Milliardenprojekt Autobahntunnel unter dem Nationalpark Lobau für umweltschädlich, zu teuer und nicht stadtverträglich."

Anders sehen das die städtischen Oppositionsparteien ÖVP und FPÖ: "Der Lückenschluss der S1 durch den Lobautunnel muss nun endlich angegangen und der jahrzehntelange Winterschlaf der Stadtregierung beendet werden", ließen der schwarze Landesparteiobmann Gernot Blümel und seine Parteikollegin und Planungssprecherin Elisabeth Olischar wissen; der freiheitliche Verkehrssprecher Anton Mahdalik hält den Bau des Lobautunnels für unumgänglich, denn "eine neuerliche Variantenprüfung wäre lediglich verschwendetes Geld." (Michael Matzenberger, 15.1.2016)

  • Bereits 2006 führte die Asfinag Probebohrungen in der Lobau durch.
    foto: apa/helmut fohringer

    Bereits 2006 führte die Asfinag Probebohrungen in der Lobau durch.

  • Auch damals kam schon Kritik an den Plänen von Umweltschutzaktivisten.
    foto: apa/helmut fohringer

    Auch damals kam schon Kritik an den Plänen von Umweltschutzaktivisten.

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