Top-Thema 2016: Kosten senken

19. Jänner 2016, 11:59
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Auf der Agenda von Firmenlenkern steht heuer Effizienzsteigerung – gleichzeitig sollen sie für Innovationen sorgen. Keine leichte Aufgabe

Wenn Senior Manager so wie derzeit von den "härtesten Budgetrunden ever" berichten, dann heißt das mit großer Wahrscheinlichkeit nichts Gemütliches für die Belegschaften. Den verantwortlichen Führungskräften steht jedenfalls weitere Verschärfung von allen Seiten bevor: Kostensenkung und Effizienzsteigerung wird in einer international angelegten Umfrage (400 Auswertungen) der Berater von Doujak Corporate Development als Top-Herausforderung sowohl im eigenen Unternehmen als auch in den Kundenfirmen genannt.

Kostendruck, Krisen

Überall steigt der Kostendruck. Hyperwettbewerb, schrumpfende Margen, rapider technologischer Wandel, gesättigte Märkte und demografischer Umbruch, unabsehbare Folgen von Terror und Migration, der Rückgang in China, der starke Dollar, Wohlfahrtstaaten nahe der Pleite – das sind einige der Schlagworte, die dazu geliefert werden.

Zudem, sagt Studienautor Alexander Doujak, sei angekommen, dass von Anschlägen, Fluchtbewegungen und gesellschaftlichen Problemen alle betroffen sind – jedes Unternehmen, jedes Produkt, jeder Mitarbeiter. Bis vor kurzem wurde der Konnex zwischen Politik und Wirtschaft hauptsächlich an vielbeklagten Regulatorien und aus Unternehmenssicht hinderlichen gesetzlichen Vorgaben festgemacht. 2015 hat diese fraktale Sicht verändert.

Und die Strategie? Noch mehr sparen und optimieren, damit das passieren kann, was ebenso Top-Thema ist: "disruptive Innovation" in neuen Feldern und Geschäftsmöglichkeiten. Wie soll denn das in einer womöglich durch jahrelange "Effizienzsteigerung" schon erschöpften Organisation gehen, die sich ihrer letzten Spielräume beraubt? Wie soll da die gefragte Höchstleistung zustande kommen?

Superhelden gesucht

Es gehe zunehmend um das Managen immer größerer Unterschiede, so Doujak. "Ambidextrie" heißt der vielstrapazierte Terminus dazu – das Alte halten und gleichzeitig das Neue entstehen lassen. Dazu brauchte es aber wahre Superhelden, oder? Bricht also das Heldenzeitalter wieder an? Doujak: "Top-Führungskräfte sollen wieder Helden sein, ja, Projektionsfiguren für Zuversicht und Vertrauen." Da tut sich der nächste Widerspruch auf: Mehr Öffnung und starke Hände? Auf die Frage, was Stabilität verleihe, antworten die Manager nämlich "Strong Leadership".

Das klingt nach Helden an der Spitze, nach dem alten Command & Control. Gleichzeitig sind die Führungskräfte aber überzeugt, dass sie ihre Organisationen so umbauen müssen, dass selbstorganisierteres, freieres und unabhängigeres Arbeiten möglich wird – weil es sonst mit der vielbenötigten Innovation nichts werden kann. Und weil offenbar klar geworden ist, dass lediglich mit noch strikterer Vorgabe, mit noch mehr Kontrolle die zunehmende Unsicherheit nicht "in den Griff" zu kriegen ist. Vielstrapazierter Terminus dazu wiederum: "Business Model Innovation". Es soll also demokratischer zugehen. Gleichzeitig soll noch mehr gespart werden. Gleichzeitig sollen starke Führungspersönlichkeiten den Weg weisen. Das in einem hochvolatilen Umfeld, in dem Führungsjobs zwar höchsten Status genießen, aber Führungsmüdigkeit herrscht – kein Wunder bei ständig steigendem Druck. Und in Positionen, die von großer Abhängigkeit geprägt sind, in denen Führungskräfte exekutieren sollen, was sie nicht entscheiden oder mitgestalten dürfen.

Wandel auf allen Ebenen

Genau da sieht Doujak den notwendigen Hebel: "Es passiert immer noch viel zu viel Blindleistung in den heimischen Unternehmen." Gemeint ist, dass die Leute seit Jahren auf Höchstleistung im Hamsterrad laufen und aufgrund der Organisationsstrukturen mindestens 50 Prozent der Arbeit in Absicherung, Fehlervermeidung, Verteidigung und politische Schachzüge investiert wird. Das frustriere und raube die Kraft: "Das ist der Boden, auf dem die Leute verzweifeln."

Es gehe nun darum, Gestaltungsfreiräume zu geben. Nicht als Mogelpackung, sondern als echtes Angebot auf Augenhöhe. Es gehe ebenso darum, sich echter Kommunikation zu öffnen und Brauchbares aus der Welle der neuen Organisationsformen auszuprobieren. Erneut die beliebten Schlagworte dazu: "Design Thinking", "Agile Organization" oder "Vibrant Company Culture".

"Solche Veränderungsprozesse dauern vier, fünf Jahre", sagt Berater Doujak. Nische um Nische müsse neuer Spirit einziehen. Es handle sich schließlich ja nicht um eindimensionale Change-Projekte nach dem alten Motto: Unfreeze, change, refreeze. Sondern um Wandel auf allen Ebenen und aus allen Ecken. (Karin Bauer, 19.1.2016)

  • Der Druck steigt: Kosten senken und Effizienz steigern gilt als Top-Herausforderung.
    foto: istock

    Der Druck steigt: Kosten senken und Effizienz steigern gilt als Top-Herausforderung.

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