Lawinen: Falscher "Alarmismus" in Berichterstattung

15. Jänner 2016, 14:06
19 Postings

Alpinsachverständiger Plattner kritisiert permanente Warnungen. Interne Notfälle sind häufigste Todesursache am Berg

Salzburg – Der Winter 2014/15 war ein Problemwinter, zumindest beim Schneedeckenaufbau. Entsprechend hoch war die Anzahl der Lawinentoten: 33 Menschen verloren durch Lawinen ihr Leben, im langjährigen Schnitt sind es 25. Die Lawinenwarndienste hatten über Wochen Warnstufe 3 ("erhebliche Lawinengefahr") ausgegeben und die Medien wochenlang vor Touren und Abfahrten im freien Gelände gewarnt.

Dieser permanente Alarmismus sei kontraproduktiv, sagt der Alpinsachverständige und Chefredakteuer des von den Alpenvereinen herausgegebenen Fachmagazins "Bergundsteigen", Peter Plattner. Wesentlich effektiver wäre es, wenn die Medien zu den tatsächlichen Spitzen Warnungen ausgeben würden.

15 Tote in wenigen Tagen

Plattner unterlegte seinen Appell bei einem Lawinenkolloquium an der Uni Salzburg Donnerstagabend mit Zahlen: So seien im Winter 2014/15 in nur drei kurzen Perioden (3. bis 7. Jänner, 28. bis 31. Jänner, 10. bis 15. Februar) insgesamt 15 Menschen von Lawinen getötet worden. Das war fast die Hälfte aller Lawinentoten der Saison.

Herzinfarkte häufigste Todesursache in Bergen

Eine Untersuchung der Todesarten im Zeitraum von 1. November 2014 bis Mitte Februar 2015 habe zudem ergeben, dass interne Notfälle – sprich Herzinfarkte – immer noch die häufigste Todesart in den Bergen sind. Laut Statistik des Kuratoriums für Alpine Sicherheit waren in diesem Zeitraum von 78 Alpintoten nur 21 einem Lawinenunglück zuzuschreiben.

22 Menschen erlitten demnach einen Herzinfarkt, 19 Todesfälle waren auf Stürze zurückzuführen. Der Rest waren Arbeitsunfälle, Suizide und andere Todesarten. "Wollen also die Medien Alpinunfälle vermeiden, müssen sie die Menschen auch dazu anhalten, auf ihr Herz besser achtzugeben", sagt Plattner. (Thomas Neuhold, 15.1.2016)

  • Ein Skitourengeher in den Kitzbüheler Alpen vergangenen Winter. Die permanenten Warnungen vor der erheblichen Lawinengefahr in der Saison 2014/15 haben auch ihn nicht von Touren im freien Gelände abgehalten.
    foto: thomas neuhold

    Ein Skitourengeher in den Kitzbüheler Alpen vergangenen Winter. Die permanenten Warnungen vor der erheblichen Lawinengefahr in der Saison 2014/15 haben auch ihn nicht von Touren im freien Gelände abgehalten.

Share if you care.