Ärzte ohne Grenzen: "Ebola-Überlebende werden von Gemeinschaft abgelehnt"

15. Jänner 2016, 11:09
4 Postings

Nach dem vermeintlichen Ende des Ebola-Ausbruchs in Westafrika zogen Hilfsorganisationen Bilanz und warnten vor den Spätfolgen. Nur wenige Stunden danach kam die Krankheit zurück

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte am Donnerstag den Ebola-Ausbruch in Westafrika für beendet erklärt. Ein betroffenes Land wird für ebolafrei erklärt, wenn es 42 Tage – die doppelte Zeitspanne der maximalen Inkubationszeit – keine neuen Fälle gegeben hat. Nur wenige Stunden nach der Entwarnung haben die Behörden jedoch einen neuen Ebola-Fall bekanntgegeben. In Sierra Leone seien zwei Ebola-Tests an einer Leiche positiv ausgefallen, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Freetown mit.

Das Ergebnis schürt Sorgen, dass die oft tödlich verlaufende Fiebererkrankung doch wieder um sich greifen könnte. Zudem macht Ärzte ohne Grenzen (Medecins Sans Frontieres/MSF) auf die gesundheitlichen Spätfolgen des Ausbruchs aufmerksam: Überlebende haben häufig nicht nur mit Gelenkschmerzen, chronischer Müdigkeit oder Seh- und Hörproblemen zu kämpfen, sondern leiden auch unter der Stigmatisierung und Ablehnung in ihrer Gemeinschaft.

Ärzte ohne Grenzen gab 96 Millionen Euro aus

Die Menschen brauchen deshalb eine auf sie zugeschnittene Betreuung, betont MSF. Die Organisation betreibt in Liberia, Sierra Leone und Guinea Kliniken für Ebola-Überlebende. Sie war ab dem Beginn des Ausbruchs in den drei Ländern tätig. Die Teams bauten Behandlungszentren auf, boten psychologische Unterstützung an, führten Aufklärungs- und Beobachtungsaktivitäten durch und halfen beim Nachverfolgen von Kontaktpersonen der Erkrankten. Auf dem Höhepunkt des Ausbruchs waren laut MSF fast 4.000 einheimische und mehr als 325 internationale Mitarbeiter im Einsatz. In den Behandlungszentren wurden mehr als 10.000 Patienten aufgenommen, von denen 5.226 an Ebola erkrankt waren. Die Organisation gab nach eigenen Angaben mehr als 96 Millionen Euro im Kampf gegen die Epidemie aus.

"Die internationale Reaktion auf diesen Ebola-Ausbruch war nicht durch fehlende Mittel eingeschränkt, sondern durch mangelnden politischen Willen, rasch zu helfen. Bei jedem Hilfseinsatz sollten die Bedürfnisse der Erkrankten und der betroffenen Gruppen im Mittelpunkt stehen, nicht politische Interessen", erklärte Joanne Liu, Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen. "Zu Beginn war die internationale Gemeinschaft wie gelähmt und reagierte entsprechend langsam. Es war eine furchtbare Erfahrung, ganz auf uns allein gestellt und der Epidemie immer einen Schritt hinterher zu sein", sagte die für MSF tätige Epidemiologin Hilde de Clerck.

Seit 2013 sind mehr als 11.300 Menschen an Ebola gestorben, fast alle in Sierra Leone, Guinea und Liberia. Sierra Leone war bereits am 7. November für Ebola-frei erklärt worden. (APA, 15.01.2016)

Share if you care.