USA empört über Bilder kniender Soldaten im Iran

15. Jänner 2016, 10:47
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Marinesoldaten waren in iranische Gewässer geraten und wurden nach Gesprächen wieder freigelassen – Kritik an Pentagon

Tampa – Die kurzzeitige Inhaftierung von zehn US-Marinesoldaten durch den Iran sorgt auch nach deren Freilassung für Spannungen zwischen beiden Ländern. Die Videoaufnahmen des iranischen Staatsfernsehens, auf denen zu sehen ist, wie die Soldaten auf dem Boden kniend ihre Hände über den Kopf halten, sorgten ob der erniedrigenden Behandlung für Unmut in den USA.

foto: reuters/irinn via reuters tv
Bilder sorgen in den USA für Empörung.

In dem Video ist außerdem ein Interview mit einer Entschuldigung des Befehlshabers der US-Marinesoldaten zu sehen: "Es war ein Fehler, es ist unsere Schuld, und wir entschuldigen uns für diesen Fehler." Als Reaktion auf das Video sagte US-Verteidigungsminister Ashton Carter am Donnerstag: "Natürlich sehe ich es nicht gerne, wenn unsere Leute von ausländischem Militär inhaftiert werden", achtete jedoch zugleich darauf, nicht zu viel in das Video zu interpretieren, da dieses durch die "Linse der iranischen Regierung gezeigt wurde".

CNN berichtet über das vom iranischen Staatsfernsehen veröffentlichte Video.

Verteidigungsminister spricht von Navigationsfehler

Am Dienstag waren zwei Boote der US-Marine im Persischen Golf von iranischen Sicherheitskräften aufgehalten worden, nachdem diese bis zu zwei Kilometer tief in die Hoheitsgewässer des Iran eingedrungen waren. Daraufhin wurden die Boote und zehn Soldaten, darunter eine Frau, festgesetzt. Verteidigungsminister Carter erklärte, dass die US-Boote aufgrund eines Navigationsfehlers unweit der Insel Farsi, wo der Iran eine Marinebasis unterhält, gelandet seien. Durch den direkten Kontakt zwischen US-Außenminister John Kerry und dessen iranischem Amtskollegen Javad Zarif konnte die Krise binnen kurzer Zeit gelöst werden. Weniger als 24 Stunden nach dem Vorfall kamen die Mitglieder der US-Marine wieder frei.

Die Boote der US-Marine wurden unweit der Insel Farsi von iranischen Sicherheitskräften aufgegriffen.

Diplomatische Spannungen

Der Zeitpunkt für diesen diplomatische Krise könnte nicht schlechter sein: Die Soldaten wurden nur wenige Stunden nach der State-of-the-Union-Rede von US-Präsident Barack Obama gefangen genommen. Dem Pentagon und dem Außenministerium wird in den USA vorgeworfen, wegen des unmittelbar bevorstehenden Erfolgs in den Atomverhandlungen mit dem Iran diplomatische Spannungen vermeiden zu wollen und deswegen zurückhaltend auf den Vorfall zu reagieren. Die Ereignisse sind zudem auf den Präsidentschaftswahlkampf übergeschwappt, in dem die republikanischen Bewerber sehr kritisch zu dem Atomdeal stehen.

Die Freilassung der US-Marinesoldaten am Tag nach der Inhaftierung zeigt jedoch auch, wie viel sich durch das iranische Atomabkommen verändert hat: "Ich glaube, wir alle können uns vorstellen, wie sich eine ähnliche Situation vor drei oder vier Jahren abgespielt hätte. Dieser Vorfall konnte friedlich und auf offizieller Ebene gelöst werden", sagte US-Außenminister Kerry und betonte "die äußerst wichtige Rolle der Diplomatie für die Sicherheit unseres Landes". Unter dem damaligen iranischen Präsident Mahmoud Ahmadinejad wurde bei einem vergleichbaren Vorfall im März 2007, als 15 britische Marinesoldaten in iranischen Gewässern festgenommen wurden, deren Freilassung erst nach 13 Tagen erwirkt. (APA, red, 15.1.2016)

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