Herzschlagfinish: ÖHB-Team auf WM-Kurs

14. Jänner 2016, 18:59
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Team verliert in Rumänien, hat aber dank der Auswärtstorregel gute Chancen auf das Playoff

Baia Mare – Österreichs Handball-Männer haben das Playoff-Ticket der WM-Qualifikation mit großer Wahrscheinlichkeit in der Tasche. Die ÖHB-Auswahl verlor am Donnerstag in Rumänien einen Krimi zwar mit 29:32 (15:15), sollte am Ende aber dank mehr erzielter Auswärtstore die Nase vor den punktegleichen Rumänen haben. Ein bitterer Wermutstropfen war allerdings die schwere Verletzung von Raul Santos.

Der 23-jährige Flügelflitzer, der im Sommer zum THW Kiel wechselt, erlitt nach gut 20 Minuten eine schwere Verletzung des linken Knies und fehlte in der Folge sichtlich. Der erste Verdacht lautete Kreuzbandriss, Aufschlüsse soll eine Untersuchung am Freitag bringen.

Zwei Treffer für ein Halleluja

Endgültige Klarheit über den Gruppensieg wird erst am Sonntag herrschen. Gewinnen sowohl Rumänien (in Italien) als auch Österreich (16 Uhr in der Südstadt gegen Finnland), wird das Team von Patrekur Johannesson das Duell der punktegleichen Teams zu seinen Gunsten entscheiden. Der 27:24-Heimsieg im "Hinspiel" im vergangenen Herbst erwies sich schließlich entgegen den Befürchtungen als ausreichend. Die Gäste mussten aber bis zum Schluss zittern, ehe ein mutig werfender Bankspieler Thomas Kandolf mit zwei Treffern in den letzten beiden Minuten in seinem fünften Länderspiel die Erlösung brachte.

Zwar hatte Teamchef Johannesson ohne die weiterhin fehlenden Leistungsträger Viktor Szilagyi, Maximilian Hermann, Romas Kirveliavicius und Robert Weber auf ein enges Duell getippt, der Anfang hatte aber durchaus gut ausgesehen. Jungstar Nikola Bilyk, mit neun Treffer bester ÖHB-Schütze, und Co. ließen sich von dem mit 2.000 Zuschauern vollen Hexenkessel kaum beeindrucken und überstanden die erste Druckwelle unbeschädigt.

Von 0:2 aus erarbeitete man sich mit 3:2 und 6:5 (10.) die ersten Führungen und baute den Vorsprung bis zur 16 Minute auf bis zu drei Treffer aus (10:7). Auch mehrere Unterzahlspiele konnten die Österreicher dabei nicht stoppen.

Der Schock kam nach etwas mehr als 22 Minuten: Santos, mit sechs Toren bis dahin bester ÖHB-Werfer, verdrehte sich schwer das Knie und musste von Kreisläufer Tobias Wagner mit schwerzverzerrtem Gesicht vom Platz getragen werden. Ein herber Verlust, den man bis zur Pause einigermaßen gut kompensieren konnte.

Der erstmals im Jänner zur Verfügung stehende Tormannroutinier Nikola Marinovic, schon in der ersten Hälfte mehrmals auf dem Posten, eröffnete die zweite mit einem Paradedouble ideal, Santos-Ersatz Sebastian Frimmel brachte die ÖHB-Auswahl wieder mit 16:15 in Front. Doch dann machte sich die Unerfahrenheit des Teams bemerkbar. In der 39. Minute lag Rumänien erstmals seit dem 2:0 wieder mit zwei Toren vorne (19:17), nach einer Dreiviertelstunde hatten der vierfache Weltmeister der 60er- und 70er-Jahre scheinbar die Wende geschafft.

Dramatik pur

Dennoch blieb das Duell bis zum Ende offen, auch weil sich die Umstellung von einer 6:0- auf eine in der aktuellen Zusammensetzung eigentlich ungewohnte 3:2:1-Deckung als richtige Entscheidung erwies. Die Schlussphase wurde zum Krimi. 110 Sekunden vor dem Ende hatte Österreich durch Kandolf auf 28:31 verkürzt. Noch einmal bäumten sich die Rumänen auf, nach einem neuerlichen Kandolf-Tor verzeichneten sie aber in den Schlusssekunden einen Fehlwurf und vergaben so ihre Chancen. (APA, 14.1.2016)

WM-Vorqualifikation, Donnerstag

Rumänien – Österreich 32:29 (15:15)

ÖHB-Werfer: Bilyk 9, Santos 6, Zeiner, Frimmel je 4, Kandolf 2, Schmid, Bozovic, Klopcic, Jelinek je 1

Tabelle:

1. Rumänien 4 0 1 161:128 8
2. Österreich 4 0 1 158:131 8
3. Finnland 1 0 4 124:154 2
4. Italien 1 0 4 120:150 2

Anmerkung: Österreich liegt zwar aktuell hinter den Rumänen, im Fall von Punktegleichheit am Ende der Gruppenphase entscheidet jedoch das direkte Duell, in dem das ÖHB-Team aufgrund der Auswärtstorregel die Nase vorne hat.

Stimmen:

Patrekur Johannesson (ÖHB-Teamchef): "Das zeigt, dass das Spiel einfach 60 Minuten dauert und wir nie aufgegeben haben. Das war ein schweres Spiel in einer super Halle mit einem super Publikum, daher bin ich einfach glücklich über dieses Ergebnis. Jetzt müssen wir am Sonntag gegen Finnland alles klarmachen."

Thomas Kandolf (Schütze des wichtigen 29. ÖHB-Treffers): "Ich bin einfach ein bisschen sprachlos, aber den Wurf habe ich im Training schon öfter gut draufgehabt. Dass er auch noch reingeht, war unglaublich."

  • Nikola Bilyk steuerte gegen Rumänien nicht weniger als neun Treffer bei.
    foto: apa/georg hochmuth

    Nikola Bilyk steuerte gegen Rumänien nicht weniger als neun Treffer bei.

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