Sauber, sauber: Auf Seife stehen

Kolumne18. Jänner 2016, 15:41
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Die Hände in Unschuld baden: Nie ist Seife wichtiger als in Schnupfenzeiten, und gut ist, wenn das Waschen zur Sehnsucht wird

Nie war es so wichtig wie in diesen Tagen: Wenn Viren und Bakterien in ihre Hochsaison gehen, ist Händewaschen für alle, die nicht krank werden wollen, ganz essenziell. Eine Selbstbeobachtung hat ergeben: Ganz unbewusst greift man sich ständig ins Gesicht – weil die Nase juckt oder das Stück Schokolade unbedingt in den Mund muss. Da vergisst man doch schnell, dass man gerade noch die verseuchte Türklinke angegriffen hat.

Der Hand selbst machen die Bakterien ja nichts aus, erst dann, wenn sie auf unsere Schleimhäute in Mund oder Nase kommen, springt das Immunsystem an. Und äußert sich als saftiger Schnupfen oder Husten, um die Keime wieder rauszuspülen.

Insofern: Händewaschen ist dieser Tage die beste Prophylaxe. Und eine gute Voraussetzung ist, wenn die Seife zur Nutzung einlädt. Das ist aber nicht immer der Fall. Deshalb mein Plädoyer: Form, Duft und Konsistenz sollen verführerisch sein.

Flüssig oder fest

Wie so oft gibt es beim Händewaschen zwei Lager: die einen, die auf ein altmodisches Stück Seife stehen, und die anderen, die Flüssigseife bevorzugen, weil sie praktischer, hygienischer oder sonst etwas ist. Für dieses eine Mal bin ich unentschieden: Vielmehr halte ich einen Wechsel für eine ideale Lösung.

Nur bei der Konsistenz bin ich streng: Von Seifen, die sich durch Wasser in gatschige Brocken auflösen, halte ich nichts. Es kommt auf die Seifenschale an, könnte an dieser Stelle jemand einwerfen. Und ja, das stimmt, aber je preiswerter die Seife, umso schneller ihre Neigung zur Weichlichkeit.

Umgekehrt ist es lästig, wenn die Härte des Waschstücks stimmt, aber die Schaumfreudigkeit mies ist. Je kleiner, umso weniger seifig: Das hat siedetechnische Gründe, hat mir unlängst jemand verraten. Ja eh, aber dieses Wissen hilft beim Händewaschen auch nichts.

Die guten Stücke

Eine extrem große, aber wunderbare Seife kommt aus Australien, und zwar von Grown Alchemist. Sie ist sehr groß, riecht fantastisch und wird zu keinem Zeitpunkt gatschig. Und traurig ist, wenn sie zur Neige geht. Ebenso wunderbar sind heimische Speick-Seifen: Die Wurzel des Baldriangewächses erinnert mich immer an meine Großmutter, die ihr Leben lang nichts anderes verwendet hat.

Ich kenne auch Menschen, die Seifen aus politischer Überzeugung bei lokalen Produzenten einkaufen. Nicht nur Essen, sondern auch Kosmetik soll lokal produziert werden. Ist ein gutes Argument, den Seifensieder meines Vertrauen habe ich leider noch nicht gefunden.

Seifenneuerscheinungen in der großen weiten Welt der Kosmetik-Multis sind selten: Einzig Tom Ford dürfte einen Faible für harte Waschutensilien haben, einige seiner Düfte dürfen auch Seifen sein.

Schön und appetitlich sind auch Seifen mit Kordeln zum Aufhängen dran – von Musco Real zum Beispiel, allerdings weniger wegen der Kordel als des herben Geruchs wegen. Riecht einfach sauber. Schön war auch die Seife, auf der Unschuld stand. Sie hat ungefähr drei Monate gehalten und ist bereits verbraucht.

Körnige Varianten

Flüssigseifen sind dann auch immer eine schöne Abwechslung. Eine, die mich richtig erstaunt hat, ist Aesops "Reverence Aromatique Hand Wash". Nicht nur die Riesenflasche, auch der Inhalt ist ganz besonders, weil krisselig. Die Seife enthält Bimsstein.

Beim ersten Mal erschreckt einen das möglicherweise ein bisschen, doch schnell erkennt man die Vorzüge. Alle, die kochen, und immer wieder mal Zwiebeln oder Sellerie mit nackten Händen angreifen, dürfen sich freuen. Nach dem Händewaschen sind sämtliche Küchenaromen weggerubbelt. Wer will schon nach Sellerie riechen, wenn er in den "Letzten Tagen der Menschheit" im Burgtheater sitzt? Hände waschen kann ein dringendes Bedürfnis sein, das Leben ist dreckig genug. (Karin Pollack, 18.1.2016)

  • Ob Seifenstück oder Flüssigseife: Händewaschen ist dieser Tage die beste Prophylaxe.
    foto: istock/emyerson

    Ob Seifenstück oder Flüssigseife: Händewaschen ist dieser Tage die beste Prophylaxe.

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