Physiker schlägt Anlage vor, mit der sich die Raumzeit verzerren lässt

17. Jänner 2016, 17:22
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Die Technik dafür existiere bereits am Cern: Supraleitende Elektromagneten sollen winzige Gravitationsfelder erzeugen

Namur – In der Science Fiction gehört die Technik mehr oder weniger zum Standardinventar: Eine in der Regel nicht näher erklärte Maschine manipuliert die Gravitation und sorgt auf Raumschiffen für eine angenehme Schwerkraftumgebung. In der Realität dagegen scheint eine Vorrichtung, mit der sich Gravitation künstlich beeinflussen lässt, nicht einmal ansatzweise möglich – oder doch? Ein belgischer Wissenschafter behauptet nun im renommierten Fachmagazin "Physical Review D" eine Methode gefunden zu haben, mit der man mit existierender Technik in sehr kleinen Dimensionen genau das erreichen kann.

Momentan müssen sich Wissenschafter mit der passiven Beobachterrolle zufrieden geben: Sie können Gravitationsfelder allenfalls untersuchen, beeinflussen können sie sie dagegen nicht. Diesen Umstand findet André Füzfa von der belgischen Université de Namur ziemlich frustrierend, weshalb er über Möglichkeiten nachdachte, dies zu ändern.

Nötige Technik ist vorhanden

Seine Lösung: Kontrollierte magnetische Felder sollen die Raumzeit minimal verzerren und damit Gravitationsfelder erzeugen. In seinem nun veröffentlichten Artikel schlägt er – unterstützt von einem mathematischen Beweis – eine experimentelle Anordnung auf Basis von supraleitenden Elektromagneten vor, die dies bewerkstelligen soll. Die Technik dafür sei demnach bereits vorhanden, etwa am Kernforschungszentrum Cern bei Genf oder im Kernfusionsreaktor ITER nahe dem französischen Cadarache.

Das vorgeschlagene Experiment wäre zwar eine teure Angelegenheit, würde laut Füzfa im Erfolgsfall jedoch der Wissenschaft die Möglichkeit geben, "die letzte der vier Grundkräfte der Physik" zu kontrollieren. Nebenbei wäre es auch ein Test für Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie.

Der Versuchsaufbau wäre nach Füzfas Plänen zweistufig: In der einen Anlage sollen mehrere übereinander angeordnete supraleitende Magnetspulen für die Erzeugung eines winzigen Gravitationsfeldes sorgen. Ein zweites Experiment soll anhand von hochsensiblen Interferometern das Gravitationsfeld nachweisen. Seine bisherigen Laborexperimente hätten – schwach aber doch – gezeigt, dass dies möglich wäre. (red, 17.1.2016)


Abstract
Physical Review D: "How current loops and solenoids curve spacetime." – Volltextversion auf arXiv.org

  • Künstliche Gravitationsfelder – ein unerfüllbarer Science-Fiction-Traum?
    foto: apa/dpa/michael hanschke

    Künstliche Gravitationsfelder – ein unerfüllbarer Science-Fiction-Traum?

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