VW-Krisenmanagement: Eine völlig verpatzte Reise

Kommentar14. Jänner 2016, 17:11
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Unter der Führung Müllers ist die Zukunft des Konzerns düsterer denn je

Matthias Müller war schon bei seiner Bestellung zum Volkswagen-Konzernchef eine fragwürdige Wahl. Ein langjähriger Insider ist nicht dazu geeignet, nach einem durch Insidertum entstandenen Skandal wie der Abgasaffäre aufzuräumen. Aber auf seiner jüngsten USA-Tour hat sich der Ex-Porschechef für den derzeit schwierigsten Managerjob Europas völlig disqualifiziert.

Auf einer Reise, von der sich VW viel erhofft hatte, verstieß Müller gegen alle Regeln des Konzernkrisenmanagements. Er hat sich zwar mehrmals entschuldigt, klang dabei aber nie authentisch. In einem Radiointerview spielte er den Abgasschwindel als technisches Missverständnis herunter. Ein holpriges Englisch mit starkem Akzent trug das Übrige dazu bei, Müller wie die Karikatur des bösen, aber schwachen Konzernbosses erscheinen zu lassen.

Schlimmer noch ist, dass VW den Ereignissen stets hinterherlief. Mehrmals wurden den Behörden und den Kunden unausgegorene neue Lösungsvorschläge präsentiert, die allesamt zurückgewiesen wurden. Offenbar hat niemand Müller beraten, wie man auch in einer Krise nach außen hin sympathisch und souverän wirkt und im Hintergrund effektiv verhandelt.

Nach Auffliegen der Affäre konnte VW noch auf eine teure, aber glimpfliche Beilegung der Krise hoffen. Unter dieser Führung ist die Zukunft des einstigen deutschen Vorzeigekonzerns allerdings düsterer denn je. (Eric Frey, 14.1.2016)

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