Bowie-Requiem in fünf Akten auf Arte

14. Jänner 2016, 16:46
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1975: Das Haar ist bleich. Der Kettenraucher aus Bromley übt mit Luther Vandross die Synkopen für einen Plastiksoul-Song ein

Mit dem plötzlichen Tod David Bowies fiel für viele die Sonne vom Himmel. Wer nun gedacht hat, der ORF würde sich mit Blick auf sein prall gefülltes Archiv nicht lumpen lassen, sah sich getäuscht. Wir wissen dank der kulturmontäglichen Einlassung, mit welchen Mitgliedern der heimischen Semiprominenz der blonde Rockstar flüchtig Umgang pflegte. Bowie liebte bekanntlich den Imagewechsel. In einer Hinsicht waren seine Prinzipien jedoch unumstößlich: Er bedachte auch weniger relevante Zeitgenossen mit Proben einer völlig unverkrampften Freundlichkeit.

Etwas mehr posthume Höflichkeit wäre dem ORF nicht schlecht angestanden. Aber Gott sei Dank gibt es ja Sender wie Arte. Dort lief, fett eingebettet in einen Bowie-Themenabend, Francis Whatelys wahrhaft göttliche Dokumentation David Bowie en cinq actes. In ihr finden die formativen Jahre des Sternfahrers ihre angemessene Würdigung. 1972: Ein spindeldürrer Bowie verwandelt sich vor dem Schminktisch in Ziggy Stardust. 1975: Das Haar ist bleich. Der Kettenraucher aus Bromley übt mit Luther Vandross die Synkopen für einen Plastiksoul-Song ein.

So geht die Reise in atemlosem Tempo weiter. Sie führt direkt hinaus ins Weltall, von dort hinüber nach L. A., zurück nach Berlin, hinaus in die Fußballstadien. Dort fletscht ein unverschämt gesund wirkender Bowie auf der Serious Moonlight-Tournee die Zähne. Unzählige Weggefährten erzählen Betriebsgeheimnisse. Keyboarder Rick Wakeman spielt die Akkordwechsel von Life on Mars?. Gitarrist Nile Rodgers nennt Bowie einen "Jazzer". Bowie ist tot, und das ganze Weltall fängt an zu tönen.

Arte wiederholt die Doku in der Nacht von Freitag auf Samstag um 0.40 Uhr. (Ronald Pohl, 14.1.2016)

  • Die Rocklegende David Bowie tritt in diesem klassischen Konzertfilm als sein androgynes Alter Ego Ziggy Stardust auf.
    foto: arte

    Die Rocklegende David Bowie tritt in diesem klassischen Konzertfilm als sein androgynes Alter Ego Ziggy Stardust auf.

  • David Bowie als Thomas Jerome Newton in dem britischen Science-Fiction-Film "Der Mann, der vom Himmel fiel" aus dem Jahre 1976.
    foto: studio canal

    David Bowie als Thomas Jerome Newton in dem britischen Science-Fiction-Film "Der Mann, der vom Himmel fiel" aus dem Jahre 1976.

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