Ötzis mütterlicher Familienzweig dürfte ausgestorben sein

14. Jänner 2016, 13:39
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Während die genetische Linie der Gletschermumie bis heute fortbesteht, gibt es aus dem mütterlichen Zweig wohl keine Nachkommen mehr

Bozen – Der mütterliche Familienzweig der Gletschermumie Ötzi ist höchstwahrscheinlich ausgestorben. Das fanden Forscher der Europäischen Akademie Bozen (Eurac) heraus, nachdem sie das Erbgut der Gletschermumie mit dem von 1.077 Menschen verglichen hatten. Auch über die Abstammungslinie der Mutter berichten sie im Journal "Scientific Reports": Sie habe einer kleinen, lokalen Alpenbevölkerung angehört.

Die Forscher hatten das Erbgut aus den Mitochondrien vor etwa 5.250 Jahren durch einen Pfeil in den Rücken getöteten Mannes vom Hauslabjoch untersucht. "Die mitochondriale DNA erzählt uns, gemeinsam mit dem Y-Chromosom, die genetische Geschichte des Menschen", sagte die Erstautorin der Studie, Valentina Coia. Diese mitochondriale DNA verändere sich nur sehr langsam und werde nur von Müttern weitergegeben.

Umfangreichere Daten

Die analysierten Daten stammten zum Großteil aus älteren Studien, wurden aber durch 42 neue Proben aus dem Alpenraum ergänzt. Das Ergebnis: Der mütterliche Familienzweig von Ötzi ist aller Wahrscheinlichkeit nach ausgestorben. Eine Studie von 2008 war auch zu diesem Schluss gekommen, hatte aber nur 85 Proben analysiert, die von Menschen außerhalb des Alpenraums stammten. Einen Grund für das Aussterben zeigte ein Vergleich des Erbguts von Ötzi mit dem anderer Funde aus der Jungsteinzeit. Demnach kam die mütterliche Linie zu der Zeit wahrscheinlich nur im Alpenraum vor.

Die genetische Linie von Ötzis Vater hingegen war in der Jungsteinzeit in ganz Europa verbreitet und findet sich dort auch heute noch. Bereits 2013 waren bei einer Studie der Universität Innsbruck 19 lebende männliche Nachkommen des Eismannes in Tirol aufgespürt worden. Damals wurden DNA-Analysen von rund 3.700 Männern erstellt, die in Tirol ihr Blut spendeten.

Magenkeim gefunden

Die Gletschermumie, die 1991 in den Ötztaler Alpen im Grenzgebiet von Italien und Österreich gefunden wurde, lagert im Archäologischen Museum im italienischen Bozen. Seit 25 Jahren erforschen Wissenschafter Abstammung, Krankheiten und Lebensumstände des Mannes. So ist unter anderem bekannt, dass Ötzi getötet wurde: Er hatte gebrochene Rippen und eine Pfeilspitze in der Schulter. Zudem soll er kurz vor seinem Tod Ziegenfleisch gegessen haben. Zuletzt war entdeckt worden, dass er mit dem Bakterium Helicobacter pylori infiziert war. (APA, red, 14.1.2016)

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