Entholzer: "Ich mutiere nicht zum billigen Populismuskasperl"

Interview15. Jänner 2016, 09:48
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Oberösterreichs SP-Chef Reinhold Entholzer verspricht vor dem Parteitag, mehr Kanten zu zeigen

STANDARD: Mit welchen Gefühlen sehen sie dem Landesparteitag am Samstag entgegen?

Entholzer: Die Situation ist innerparteilich nach der Wahlniederlage sicher nicht einfach. Und ich bin sicher schon einmal entspannter zu einem Parteitag gegangen.

STANDARD: Beim letzten Parteitag im November 2013 war es ein klares Votum: Mit 95,5 Prozent wurde Sie damals zum neuen Parteichef gewählt. Haben sie heute noch diesen Rückhalt in der Partei?

Entholzer: Dieses Ergebnis wird es jetzt nicht mehr spielen, da bin ich Realist. Nach einer solchen Wahlniederlage muss der Vorsitzende Verantwortung übernehmen. Und es wird manche in der Partei geben, die unzufrieden sind.

STANDARD: Von führenden Genossen wurde offen Ihr Rücktritt gefordert. Gab es Überlegungen zu gehen?

Entholzer: Es wurde durchaus heftig diskutiert, auch emotional und laut. Aber ich spüre dennoch ausreichend Rückhalt in der Partei. Wäre das nicht der Fall, würde ich sofort gehen. Ich bin absolut kein Sesselkleber.

STANDARD: Im ersten Parteivorstand nach der Wahlniederlage im September, bei der die SPÖ von 24,94 auf 18,37 Prozent und damit Platz drei abrutschte, haben Sie aber nicht einmal die Vertrauensfrage gestellt.

Entholzer: Ich habe auch heute noch nicht das Gefühl, dass das notwendig gewesen wäre. Bei so einer Niederlage gibt es nicht nur eine Ursache, daher haben wir sehr ausführlich diskutiert, und das war auch wichtig, um die richtigen Entscheidungen für den Neustart zu treffen. Es geht dabei nicht um Schuldzuweisungen.

STANDARD: Jene in der SPÖ, die schon vor der Wahl Ihren Führungsstil als zu gewerkschaftlich-amikal bemängelt haben, sehen in dem schlechten Ergebnis die Bestätigung. Haben Sie Fehler gemacht?

Entholzer: Doch. Es war ein Fehler von mir, dass ich zu wenig kantig war. Ich habe stets versucht, mit Sachthemen durchzudringen. Doch es bleibt halt leider vieles an der Überschrift hängen. Und alles andere wird von den Wählern nicht so wahrgenommen.

STANDARD: Künftig wird es die SPÖ Oberösterreich also mit deutlich mehr Populismus versuchen?

Entholzer: Nein, ich mutiere jetzt nicht zum billigen Populismuskasperl. Aber der Reini Entholzer wird sich kantiger geben. Auch angriffslustiger – Konfrontationen können durchaus befruchtend sein.

STANDARD: Die persönliche Neuausrichtung verwundert, bislang hatte man eher den Eindruck, allzu kritische Genossen würden Sie in Ihrem Umfeld eher stören.

Entholzer: Wie kommen Sie zu so einer Annahme? Ich habe die Kritiker in den eigenen Reihen immer ernst genommen und nie jemandem den Mund verboten.

STANDARD: Die, die in den letzten Monaten laut Ihren Rücktritt gefordert haben, werden aber ihrer Ämter enthoben. Die Parteirebellen Fiona Kaiser und Bernd Dobesberger, die die SPÖ-kritische Initiative "Kompass" ins Leben gerufen haben, sollen auf dem Parteitag als Ihre Stellvertreter abgewählt werden.

Entholzer: Bitte, diese Personen sitzen weiter im Parteivorstand, was mir auch sehr wichtig ist. Aber ich habe den Kreis meiner Stellvertreter von 15 auf nur mehr vier Personen verkleinert. Dann ist es doch schräg, wenn sich der mediale Aufschrei auf zwei Personen konzentriert.

STANDARD: Reicht es für einen Neustart, wenn nur Sie mehr Kante zeigen – oder wird es auch eine Neuausrichtung der Partei geben?

Entholzer: Natürlich. Es braucht ein Umdenken in der Partei. Wir müssen uns wieder der sozialdemokratischen Werte besinnen. Freiheit, Gleichheit, Solidarität gelten für alle Menschen. Unsere inhaltliche Positionierung muss in diesem Hinblick noch deutlicher werden. Und wir müssen auch nach innen einiges ändern. Ich will eine demokratischere und offenere SPÖ. Mehr Einbindung der Mitglieder, mehr Mitbestimmung, besseren Informationsfluss und eine klare Konzentration auf die Ortsparteiarbeit.

STANDARD: Aber dieser Selbstfindungsprozess läuft doch in der oberösterreichischen SPÖ schon seit der Wahlniederlage 2009 – mit überschaubarem Erfolg.

Entholzer: Jetzt wird es konkreter. Wir haben beispielsweise eine Jahreskampagne geplant, um mit unseren Inhalten sofort neu durchzustarten. Zu welchem Thema genau, darüber werden die Mitglieder abstimmen. (Markus Rohrhofer, 15.1.2016)

Reinhold Entholzer (56) kommt aus dem roten Gewerkschaftsflügel. Der gelernte Hochbauingenieur und Vater zweier Kinder wurde 2003 FSG-Landeschef. Seit November 2013 ist der begeisterte Fußballer und Tennisspieler oberösterreichischer SPÖ-Chef.

  • Reinhold Entholzer will die oberösterreichischen Sozialdemokraten über die Themen der Landespolitik abstimmen lassen.
    foto: apa/fohringer

    Reinhold Entholzer will die oberösterreichischen Sozialdemokraten über die Themen der Landespolitik abstimmen lassen.

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