"Porno-Bug": Fehler zeigt Websites trotz privaten Surfmodus

14. Jänner 2016, 12:13
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Pornoseite tauchte bei Start des Spiels "Diablo III" auf – Fehler in Apples OS X vermutet

Aktuelle Browser verfügen über eine Funktion, mit der Nutzer mehr oder weniger privat surfen können. Die Inkognitomodus oder privater Surfmodus genannte Funktion verhindert, dass auf einem Computer oder Smartphone gespeichert wird, welche Seiten man zuvor besucht hat. Ein Fehler führt nun unter gewissen Umständen dazu, dass das Surfverhalten doch entblößt wird.

Nützlicher Modus, nicht ganz privat

Der Fehler hat in Medien den Namen "Inkognito-Porno-Bug" erhalten, da die Funktion wohl oft zum Surfen auf Pornoseiten verwendet wird. Das Feature ist vor allem bei Computern nützlich, die von mehreren Personen verwendet werden. So kann man nicht nachvollziehen, welche Seiten sich jemand zuvor angesehen hat. Das gilt natürlich nicht nur für Pornografie. Auch jemand, der sich über bestimmte Krankheiten online informiert, möchte eventuell nicht, dass andere Personen davon wissen. Auch Eingaben in Webformularen werden nicht gespeichert.

Die Bezeichnung "privates Surfen" ist allerdings etwas irreführend, da Internetanbieter oder auch Arbeitgeber sehr wohl wissen, welche Seiten man besucht hat. Zudem wird die IP-Adresse gegenüber den Website-Betreibern nicht verschleiert.

Pornoinhalte statt "Diablo III"

Entdeckt wurde der Fehler von einem Studenten der University of Toronto. Er hatte sich Pornos in Google Chrome mit aktiviertem Inkognitomodus angesehen, wie er in seinem Blog berichtet. Einige Stunden später, als er das Spiel "Diablo III" startete, war plötzlich die Pornoseite zu sehen. Und nicht nur das: Das Fenster mit der Pornoseite fror ein und ließ sich erst später wieder schließen. Der Student hat ein Programm entwickelt, mit dem sich der Bug nachvollziehen lässt.

Nvidia gibt Apple die Schuld

Allerdings dürfte nicht Google Chrome Schuld an der Fehlfunktion sein. Der Student sieht Nvidia als Verursacher, da der GPU-Speicher nicht gelöscht wird, bevor er einer neuen Anwendung zugeteilt wird. So könnten Inhalte einer App in einer anderen auftauchen. Der Grafikkartenhersteller dementiert das jedoch gegenüber "Venturebeat" und meint, dass die Schuld bei Apple liege, da der Fehler nur auf Macs vorkomme. Der Bug sei auf das Speichermanagement von Apples OS X zurückzuführen, sagte ein Sprecher. Unter Windows würden alle App-spezifischen Daten gelöscht, bevor der Speicher von einer anderen Software genutzt werden kann. Zudem dürfte der Fehler laut Bericht auch bei einigen AMD-Grafikkarten auftreten.

Der Fehler kann für Personen, die ihr Surfverhalten geheim halten wollen, sicherlich unangenehm werden, wenn Familie, Kollegen oder Freunde auf gewisse Seiten stoßen. Extern lässt sich der "Inkognito-Porno-Bug" allerdings nicht ausnutzen, sodass Angreifer die besuchten Seiten per Fernzugriff ausspionieren könnten. Nach eigenen Angaben hat der Student sowohl Google als auch Nvidia bereits vor zwei Jahren davon informiert, bislang wurde aber nichts getan, um das Problem zu beheben. (br, 14.1.2016)

  • Beim Inkognitomodus wird auf einem Computer nicht gespeichert, welche Seiten man angesurft hat.
    foto: ap photo/david goldman

    Beim Inkognitomodus wird auf einem Computer nicht gespeichert, welche Seiten man angesurft hat.

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