Ferienmesse 2016: Stau, Bauchweh, ungebrochene Reisefreude

14. Jänner 2016, 12:20
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Die Ferienmesse Wien, die heute, Donnerstag, startete, ist ein Gradmesser für das kommende Urlaubsjahr. Dass die Österreicher trotz krisenhafter Erscheinungen gerne reisen, zeigt der heute präsentierte Reisekompass der Ruefa

Geht man von dem Publikumsansturm auf die heute, Donnerstag, gestartete Ferienmesse in Wien aus, sollte das Urlaubsjahr 2016 gerettet sein: Schon um acht Uhr früh ging auf den Zufahrtsstraßen rund um die Messe Wien nichts mehr. Und das obwohl die Veranstaltung erst um zehn Uhr ihre Tore öffnete.

Während draußen die Massen warteten, wurde drinnen bereits eifrig prognostiziert, wie ausgeprägt die Reiselust der Österreicher 2016 denn sein werde. Zumal die jüngsten Anschläge in Istanbul, Paris und aktuell Jakarta den Touristikern Sorgenfalten auf die Stirn treiben. "Ich blicke mit Bauchweh auf das kommende Jahr", gab dann auch Helga Freund, Vorstandsdirektorin des Verkehrsbüro Group zu, bevor sie den "Ruefa Reisekompass 2016", der einmal jährlich vom Gallup Institut für die Ruefa durchgeführt wird, zuwandte.

Beruhigende Ergebnisse

Und dessen Ergebnisse sind zum einen repräsentativ und zum anderen, wie beruhigend, gar nicht so übel. Denn die Österreicher reisen trotz aller Verwerfungen gerne: Fast jeder (90 Prozent) will heuer verreisen. Bis zu zwei Mal wollen 46 Prozent, immerhin 34 Prozent möchten drei oder vier Mal Urlaub machen (2015: 42 Prozent bzw. 33 Prozent).

Nur wagt man sich etwas seltener weiter weg und bevorzugt eher die – erweiterte – Nachbarschaft "Hoch im Kurs stehen heuer Reisedestinationen in Europa: nämlich bei 79 Prozent der Befragten", sagte Freund. Italien, Deutschland, Kroatien, Spanien, Griechenland sind die Top-5-Länder, die genannt wurden. Bei Fernreisen solls vor allem in die USA (24 Prozent), Thailand, Kuba, Dominikanische Republik und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Fast die Hälfte der Reise-Planenden (44 Prozent) will eine Städtereise unternehmen, bevorzugt in eine Metropole im europäischen Ausland (92 Prozent). Deutschland besetzt hier mit Berlin (23 Prozent) und Hamburg die ersten Plätze. Auch Rom, Prag und Venedig tummeln sich unter den Top 5. In der Ferne punktet die USA gleich mit drei Städten unter den Top 10: An der Spitze liegt New York (14 Prozent), gefolgt von San Francisco und Miami.

Österreich steht hoch im Kurs

69 Prozent urlauben im Heimatland, und zwar am liebsten im Sommer in den Bergen (49 Prozent) oder am See (41 Prozent). In Folge sind die beliebtesten Urlaubs-Aktivitäten Wandern, Wellness und Schwimmen. Rund 37 Prozent der Erholungssuchenden zieht es heuer in eine der zahlreichen heimischen Thermen.

Beruhigend ist auch zu hören, dass die Mehrheit (59 Prozent) 2016 über das gleiche Urlaubsbudget wie im Vorjahr verfügt, 23 Prozent sogar über mehr. Unterschiede gibt es beim verfügbaren Budget: Je ein Fünftel hat über 2.000 Euro, 1.001 bis 1.500 Euro bzw. 501 bis 1.000 Euro. 16 Prozent verfügen über 1.501 bis 2.000 Euro. 13 Prozent können max. 500 Euro auslegen. Die finanzstarke Urlaubsgruppe sind die Dinks, Senioren und Empty Nesters. Jeder Vierte davon hat mehr als 2.000 Euro im Urlaubsbörserl. Bei den Singles und Familien hat jeder Fünfte bis zu 1.000 Euro.

Über 60 Prozent finanzieren sich die erholsamste Zeit des Jahres aus Ersparnissen und 45 Prozent aus dem laufenden Einkommen. 40 Prozent ziehen das Urlaubs- und Weihnachtsgeld dazu heran.

Dabei sind die positiven Effekte der Steuerreform – mehr Geld im Börserl – noch gar nicht mitberechnet. Es besteht also noch Hoffnung, dass auch diejenigen, die ihre persönliche finanzielle Situation als "schlecht" bis "sehr schlecht" eingestuft haben, doch noch den Schritt ins Reisebüro wagen.

Das Reisebüro lebt

Apropos Reisebüro: Auch das schlägt sich nicht schlecht. Das Internet ist und bleibt zwar Informationsquelle Nummer eins bei der Reiseplanung (45 Prozent). Das Reisebüro als Informationsquelle mit Reisekatalogen (37 Prozent) und der persönlichen Beratung (34 Prozent) hat aber ebenso höchste Relevanz. "Das Reisebüro erlebt eine Renaissance. Die persönliche Betreuung und ein verlässlicher Partner in schwierigen Reisezeiten werden von den Urlaubern geschätzt", interpretierte Markt- und Motivforscherin Dr. Helene Karmasin (Gallup) die Zahlen aus dem Ruefa Reisekompass. Insbesondere sehen die Österreicher in der Rückholung im Krisenfall und der persönlichen Beratung eine hohe Relevanz.

Sicherheit auf Reisen ist für 72 Prozent der Österreicher wesentlich für ihre Urlaubsentscheidung. Für 38 Prozent ist die ausführliche Beratung im Reisebüro ein wichtiger Faktor für eine sichere Urlaubsplanung (z.B. Reisewarnung, Einreisebestimmung).

Überhaupt der Urlaub: "Das ist ein Grundbedürfnis der Menschen", sagte Karmasin. Freund nennt ihn gar die "Heilige Kuh" unserer Landsleute: "Er ist ein Höhepunkt des Jahres, entsprechend wichtig wird er genommen. Trotz oder vielleicht gerade wegen der vielen Krisen und schlechten Nachrichten in diesen Zeiten freuen wir uns auf den Urlaub, um auszuspannen, Abstand vom Alltag zu genießen und in eine heile Welt abzutauchen."

Unterschiedliche Zielgruppen, unterschiedliche Motive

Womit wir bei den Motiven wären. So wie das Reiseverhalten variieren auch die Motive für den Urlaub je nach Lebenssituation, heißt es im "Reisekompass". Fünf Typologien wurden unterschieden: Familien, Singles, Senioren, Dinks (Double Income no kids) und Empty Nesters (Eltern, deren Kinder nicht mehr zu Hause leben). Unterschiede zwischen diesen Zielgruppen zeigen sich in fast allen Bereichen.

Am reisefreudigsten sind Senioren (das sah man auch an der Zusammensetzung des Publikums an diesem ersten Messetag) und Familien: 92 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe will 2016 verreisen. Bei der Urlaubshäufigkeit: 43 Prozent der Senioren und 42 Prozent der Empty Nesters machen zwischen drei und vier Mal jährlich Urlaub, während 56 Prozent der Familien und 46 Prozent der Singles ein- bis zweimal urlauben.

Nur kein Stress

Europa und das nahe Ausland punkten besonders bei Singles (81 Prozent) und Senioren (85 Prozent). Bei Fernreisen wiederum haben die Dinks die Nase vorne. Den Aufenthalt in Österreich lieben vor allem Familien und Empty Nesters.

Im Wesentlichen heißt Urlaub: Nur kein Stress. Zeit mit Familie und Partner, Ausschlafen und einfach abschalten sind die wichtigsten Urlaubs-Motive. Familien, Singles, Dinks und Empty Nesters – sie alle wollen im Urlaub vor allem entspannen und Abstand vom Alltag. Ausreißer sind die Senioren: für sie kommt der Sport an erster Stelle (73 Prozent). Aktivitäten ganz anderer Art findet sich dafür bei Familien unter den beliebtesten Urlaubsbeschäftigungen: Sie freuen sich auf mehr sinnliche Zweisamkeit (66 Prozent).

Fazit: Das Reisejahr 2016 läuft bei Ruefa – Österreichs größter Reisebürokette – gut an. Die ersten Buchungszahlen weisen auf folgende Favoriten hin: Spanien liegt bei den Ruefa-Kunden derzeit gemessen am Umsatz auf Platz eins (Anteil 12,7 Prozent), gefolgt von den USA (6,2 Prozent), das 2016 voll im Trend liegt, und den Malediven (6,2 Prozent). Auf Platz 4 befindet sich Thailand (4,7 Prozent), Italien rangiert an 5. Stelle (4,7 Prozent). Die restlichen Ränge belegen Kuba (4,3 Prozent), Deutschland (3,8 Prozent), Griechenland (3,6 Prozent), Mauritius (3,5 Prozent) und die Dominikanische Republik (3,4 Prozent). (Markus Böhm, 14.1.2016)

Diese Infografik gibt einen Überblick über die wichtigste Ergebnisse des "Ruefa Reisekompass 2016"

  • Thailand ist das zweitbeliebteste Reiseziel der Österreicher im heurigen Jahr.
    foto: imago stock&people

    Thailand ist das zweitbeliebteste Reiseziel der Österreicher im heurigen Jahr.

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