Album der Woche: Ennio Morricones "The Hateful Eight"

15. Jänner 2016, 09:00
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Ennio Morricone hat sich breitschlagen lassen. Quentin Tarantino hat für "The Hateful Eight" Musik bekommen

Den neuen Film Quentin Tarantinos haben zwar mittlerweile weite Teile des sozialmedialen Bekanntenkreises gesehen, noch bevor The Hateful Eight in den heimischen Kinos angelaufen ist. Die Kurzzusammenfassung elendig langer zweidreiviertel Stunden: Agatha Christie, Whodunnit. Western, Schnee, Kammerspiel. Wird in drei Jahren in Berlin von einem wilden jungen Regisseur aus der dritten Reihe für die Bühne adaptiert werden, obwohl die Umsetzung von Kopfschüssen und zermerscherten Schädeln nur symbolisch angedeutet werden kann. Feuilleton ruft: Hu! Samuel L. Jackson, mehr oder weniger in der Hauptrolle, versteht man nicht. Ich glaube, er hat sich für die Dialoge ein Polsterkissen in den Mund geschoben, um irgendwie authentischer zu klingen, aber was weiß man. Reise nach Rom jedenfalls. Mit Schusswaffen.

Halbtonschritte

Apropos Rom und Cinecittà. Tarantino hat es nach Jahrzehnten heftiger Bemühungen geschafft, endlich Ennio Morricone als Soundtrack-Komponisten zu gewinnen. Der mittlerweile 87-jährige Großmeister pathetischer, mitunter atemberaubend avantgardistischer wie kitschiger, Gänsehaut und erogene Zonen gleichermaßen bedienender, im Wesentlichen für harte Männer wie Quentin Tarantino und weniger für Frauen gedachter Soundtracks hat ihm zwar nichts Neues verkauft.

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Neu oder originär ist bei Tarantino ohnehin keine Kategorie. Allerdings passen die wenigen nun vorliegenden Kompositionen ideal in die kalte winterliche Landschaft der amerikanischen Einöde, in der The Hateful Eight spielt. Immerhin verfasste Morricone den orchestralen Soundtrack mit den bedrohlichen Halbtonschritten, die man aus so gut wie jedem Thriller, allerdings banaler arrangiert, kennt, ursprünglich für John Carpenter. Der große Verrückte des US-Popcorn- und Beuschelreißerkinos lehnte 1982 diese Kompositionen für das auch nicht schwache Schnee- und Eisgemetzel The Thing ab und bespielte den Soundtrack lieber selbst mit Synthie-Superklebertasten. Nun können wir das Wunderwerk Morricones endlich hören. Es ist gut. Man fröstelt. (schach, Rondo, 15.1.2016)

Ennio Morricone – The Hateful Eight (Decca)

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