Alzheimer: Entzündung im Hirn blockieren

14. Jänner 2016, 11:05
3 Postings

Entzündungsprozesse im Gehirn spielen bei der Entstehung von Alzheimer eine Rolle. Grazer Wissenschafter erforschen Neuroinflammation

Das Enzym Monoglyzerid-Lipase (MGL) spielt im menschlichen Fettstoffwechsel eine bedeutende Rolle – und auch bei Entzündungsprozessen im Gehirn. Forscher der Universität Graz konnten nun erstmals zeigen, dass die Hemmung des Enzyms in sogenannten Sternzellen (Astrozyten) des Gehirns eine entzündungshemmende Wirkung hat.

Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson stehen im Zusammenhang mit Entzündungsreaktionen (Neuroinflammation) im Gehirn. Eine bisher nicht bekannte wichtige Funktion kommt dabei dem fettspaltenden Enzym Monoglyzerid-Lipase (MGL) zu, wie die Grazer Forscher um Robert Zimmermann vom Institut für Molekulare Biowissenschaften in ihren jüngsten Studien zeigten. Die Ergebnisse wurden in der jüngsten Ausgabe des "Journal of Biological Chemistry" veröffentlicht.

Die Experten der Uni Graz kooperierten mit Kollegen der Medizinischen Universität Graz sowie aus Amsterdam und München. In ihren Versuchen zeigte sich, dass das Enzym MGL sogenanntes Arachidonyl-Glyzerol spalten kann und dabei eine Fettsäure namens Arachidonsäure freisetzt. Diese hat laut den Grazer Wissenschaftern eine wichtige Auslösefunktion bei Entzündungsprozessen im Körper.

Botenstoffe manipulieren

Das Arachidonyl-Glyzerol ist ein körpereigener Botenstoff, der sich im Gehirn an die gleichen Rezeptoren bindet wie psychoaktive Inhaltsstoffe aus Cannabis. Solche sogenannten Endocannabinoide wirken dadurch entzündungshemmend.

Bei den Versuchen zeigte sich, dass eine Blockierung von MGL mithilfe gentechnischer Methoden sich positiv auf den Arachidonyl-Glyzerol-Spiegel auswirkt – was letztlich die Neuroinflammation hemmt.

Ein zu hoher Spiegel des Endocannabinoids geht allerdings mit Nebenwirkungen einher, wie sie auch bei übermäßigem Cannabis-Konsum auftreten: etwa Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, der Reaktionsfähigkeit und der Bewegungskoordination. Die künstliche Erhöhung des Arachidonyl-Glyzerol-Spiegels ist demnach kein optimaler Weg, um Entzündungsprozesse im Gehirn zu hemmen.

Fokus auf Sternzellen

Die Grazer Forscher haben nun jedoch einen anderen interessanten Zusammenhang entdeckt: Sie haben jene Sternzellen untersucht, die an der Freisetzung der Arachidonsäure involviert sind. Diese sternartigen Zellen, die lange Zeit nur als Füll- und Hilfsmaterial im Zentralnervensystem angesehen wurden, haben im Gehirn mehrere Funktionen. Unter anderem sind sie an der Blut-Hirn-Schranke beteiligt, das heißt sie docken an den Gefäßen an und kontrollieren, welche Stoffe über das Blut ins Organ gelangen.

"Wir haben das MGL in den Sternzellen ausgeschaltet", berichtete Gernot Grabner, Erstautor der aktuellen Publikation. Dabei konnte beobachtet werden, dass bereits dieser Schritt die neuronalen Zellen vor Entzündungen schützt. Die Nebenwirkungen sind in diesem Fall ausgeblieben, so Grabner. (APA, 14.1.2016)

Originalstudie

Deletion of Monoglyceride Lipase in Astrocytes Attenuates Lipopolysaccharide-induced Neuroinflammation

Share if you care.