Niedrigzins belastet zweite Pensionssäule

13. Jänner 2016, 18:52
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Wegen sinkender Erträge aus Anleiheninvestments blieben Österreichs Pensionskassen im Vorjahr klar unter dem langjährigen Mittel

Wien – Wichtig für Kunden von Pensionskassen sind laut dem Fachverband der Anbieter nicht einzelne Jahresergebnisse, sondern der langfristige Durchschnitt. Dieser liegt seit dem Start vor 25 Jahren bei fast 5,6 Prozent jährlich, wurde im Vorjahr aufgrund des schwierigen Veranlagungsumfelds mit einer Rendite von knapp 2,4 Prozent aber klar verfehlt. Die Einzelerträge der 13 im Verband erfassten Pensionskassen weichen laut Obmann Andreas Zakostelsky nicht stark ab: "Es gibt keine großen Ausreißer nach oben oder nach unten."

Auf lange Sicht bedeutet das im Mittel: Wer vor 25 Jahren 1.000 Euro in eine Pensionskasse investiert hat, kann sich nun über ein Guthaben von 3.710 Euro erfreuen. Erfasst man auch die nicht unerheblichen Einbußen durch ein Vierteljahrhundert Inflation, kommt man real betrachtet auf eine Kaufkraft von 2.219 Euro.

Neuverträge mit 400 Firmen

Das veranlage Vermögen von aktuell 20,2 Milliarden Euro, ein Anstieg um 700 Millionen im Jahresvergleich, ist zu fast zwei Drittel in Anleihen investiert, bei denen das Niedrigzinsumfeld sich zunehmend dämpfend auf die Performance niederschlägt. Gut 28 Prozent entfallen auf Aktien, der Rest auf Immobilien und Cash.

Die Zahl der Anspruchsberechtigten hat sich auf 883.000 Arbeitnehmer erhöht. Dabei wurden 400 Neuverträge mit Unternehmen abgeschlossen, davon stammen 55 Prozent aus dem Bereich der Klein- und Mittelbetriebe (KMU). "Diese Entwicklung geht eindeutig in eine positive Richtung", meint Zakostelsky.

Absetzbare Eigenbeträge

Um diesen Trend fortzuschreiben, bringt der Fachverbandsobmann für die Ende Februar anstehende Evaluierung der Pensionskassenreform von 2012 die Forderung nach steuerlicher Absetzbarkeit der Eigenbeträge der Arbeitnehmer, rund 115.000 Personen haben im Vorjahr 80 Millionen Euro zugeschossen, ins Spiel. Aus Zakostelskys Sicht eine "Win-win-Situation" für Staat und Arbeitnehmer. Der Fiskus würde die Steuer zunächst gewissermaßen stunden, diese dafür nach Pensionsantritt auf höhere, verzinste Beträge einheben. Zudem liegt Zakostelsky die Gleichstellung der Prämienförderung mit der Zukunftsvorsorge am Herzen, was einer Erhöhung von 1.000 auf 2.677 Euro entspräche. Auch die flächendeckende Aufnahme der zweiten Pensionsäule in Kollektivverträge ist ihm ein Anliegen.

Im Jahr 2015 wurden an gut 883.000 Leistungsberechtigte 614 Millionen Euro an Pensionen ausbezahlt, das entspricht im Mittel 489 Euro. Für konkrete Aussagen über künftige Pensionshöhen müssen sich Kunden noch bis Ende März gedulden, bis die versicherungsmathematischen Berechnungen abgeschlossen sind. (Alexander Hahn, 14.1.2016)

  • Das anhaltende Niedrigzinsumfeld schlägt sich immer stärker auf die Erträge der zweiten Pensionssäule nieder.
    foto: frank leonhardt

    Das anhaltende Niedrigzinsumfeld schlägt sich immer stärker auf die Erträge der zweiten Pensionssäule nieder.

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